Kloster Andechs: Bayerns ältester Wallfahrtsort auf dem Heiligen Berg
D-Andechs-Erling [SiSt24 Media] Über dem Ammersee, auf dem sogenannten Heiligen Berg, liegt einer der ältesten Wallfahrtsorte Bayerns: das Kloster Andechs. Pilger kommen hierher schon seit dem 12. Jahrhundert, angezogen vom Reliquienschatz der Rokokokirche und der jahrhundertealten Klostertradition. Wer bayerische Geschichte, Glauben und den Weitblick über die Voralpen sucht, findet hier beides. Jahr für Jahr besuchen über 30.000 organisierte Pilger aus rund 120 Gemeinden den Berg.



Die Geschichte Andechs reicht bis ins 10. Jahrhundert zurück, als ein Reliquienschatz der Grafen von Andechs den Ruf als Heiliger Berg begründete. Herzog Ernst von Bayern-München prägte im 15. Jahrhundert den Namen, den der Ort bis heute trägt. Die gotische Hallenkirche entstand zwischen 1423 und 1427, wurde später barockisiert und erhielt zwischen 1751 und 1755 ihre heutige Rokokoausstattung. Seit 1455 betreuen Benediktinermönche die Wallfahrt, die als älteste durchgehend belegte Pilgertradition Bayerns gilt. Geweiht ist die Kirche dem heiligen Nikolaus von Myra und der heiligen Elisabeth von Thüringen, geöffnet ist sie an jedem Tag der Woche.



Im Zentrum des Doppelhochaltars steht das Gnadenbild der Gottesmutter mit dem Kind aus der Zeit um 1500. Maria erscheint hier als die apokalyptische Frau aus der Offenbarung des Johannes, mit einem Kranz aus zwölf Sternen und einem Strahlenkranz aus vergoldetem Metall, der von zwei silbernen Engelsfiguren flankiert wird. Beide, Mutter und Kind, tragen kostbare Votivkronen, gestiftet von Gläubigen über die Jahrhunderte. Den oberen Altarteil krönte Johann Baptist Zimmermann bei der Rokoko-Umgestaltung mit den Figuren der Heiligen Nepomuk und Florian, die auf der Balusterbrüstung des Chorumgangs weit in den Kirchenraum wirken. So verbindet der Altar mittelalterliche Verehrung mit barocker Bühnenwirkung.



Über dem Hochaltar wölbt sich das große Chorfresko, der sogenannte Andechser Heiligenhimmel. Erst der Abbruch der beiden östlichen Gotikpfeiler im Zuge der Rokoko-Umgestaltung schuf den nötigen Raum für dieses Deckengemälde, eines von vier großen Fresken, die Johann Baptist Zimmermann zwischen 1751 und 1755 im Hauptschiff schuf. Zimmermann malte hier eine dicht bevölkerte Wolkenszene aus Heiligen und Engeln, überragt von einem blauen Wappenschild, das Putten in den Lüften emporhalten. Zusammen mit seinen Stuckarbeiten, die er gemeinsam mit Johann Georg Üblhör ausführte, gilt die Ausstattung als eine der besten Leistungen des süddeutschen Rokoko und erinnert an die kurz zuvor entstandene Wieskirche.



Auch die Seitenaltäre im Kirchenschiff tragen die Handschrift der Rokokozeit. Sie lehnen sich an die gotischen Pfeiler an und wurden nach Entwürfen von Johann Baptist Straub gestaltet. Die vorderen beiden sind den Klosterheiligen Benedikt und Rasso geweiht, die hinteren, schlichter gehaltenen Altäre zeigen Gemälde von Elias Greiter dem Jüngeren mit Darstellungen der Taufe Jesu und des heiligen Michael. Kerzenlicht und der Halbschatten des Kirchenraums lassen die vergoldeten Rahmen und die gemalten Szenen in einem warmen Glanz erscheinen, wie er die Wallfahrtskirche bis heute prägt. Wer an einem ruhigen Wochentag kommt, kann diese Details oft ganz für sich betrachten.
