Asamkirche Ingolstadt: Der Punkt, der die Decke geraderückt
D-Ingolstadt [SiSt24 Media] Von außen unauffällig, ohne Turm, mitten in der Ingolstädter Altstadt. Drinnen wartet ein Trick, den Cosmas Damian Asam vor knapp 300 Jahren gebaut hat und der noch immer funktioniert.



Die Neubaustraße in Ingolstadt hat viele stuckierte Fassaden, und die der Asamkirche Maria de Victoria fällt zunächst kaum auf. Kein Turm verrät sie von Weitem. Gebaut wurde sie zwischen 1732 und 1736 nach Plänen von Egid Quirin Asam, als Betsaal für die Marianische Studentenkongregation der Universität Ingolstadt. Erst 1807, nach dem Umzug der Universität nach Landshut und einer Schenkung durch Kurfürst Maximilian IV. Joseph, wurde daraus offiziell eine Kirche.



Drinnen dominiert ein einziges Bild den ganzen Raum: 490 Quadratmeter Deckenfresko von Cosmas Damian Asam, dem älteren der beiden Brüder, das größte Flachdeckenfresko der Welt. Maria als Himmelskönigin, umringt von den vier damals bekannten Erdteilen in den Eckzonen. Schon das allein würde die Fahrt nach Ingolstadt rechtfertigen.

Aber es gibt diesen einen Punkt. Ein paar Meter hinter dem Eingang, mittig im Gang, markiert eine kleine Stelle im Boden, wo Asams Trick vollständig aufgeht: Nur von dort aus stehen die gemalte Architektur und ihre Säulen exakt lotrecht, der aufgemalte Tempel gerade. Schon ein Schritt zur Seite, und alles kippt wieder aus der Flucht. Der Maler hat die Perspektive mehrfach übereinandergeschichtet, ein geometrischer Kniff, der ohne jede Technik auskommt und trotzdem knapp 300 Jahre später noch zuverlässig funktioniert.



In der Sakristei liegen zwei Stücke, die weniger mit Malerei zu tun haben als mit der Geschichte der Stadt. Das Tilly-Kreuz soll Feldherr Johann t’Serclaes von Tilly auf seinen Feldzügen bei sich getragen haben. Tilly starb 1632 nur wenige Meter entfernt, in einem Bürgerhaus gegenüber der Kirche, an den Folgen einer Verwundung. Gleich daneben steht die Lepanto-Monstranz, 18 Kilogramm teilvergoldetes Silber, 1708 vom Augsburger Goldschmied Johann Zeckel gefertigt. Sie zeigt die Seeschlacht von Lepanto 1571 mit einem Detailreichtum, wie man ihn bei einem liturgischen Gerät selten sieht, bis hin zum sinkenden türkischen Schiff und dem fliehenden Sultan. Sie gilt als eine der wertvollsten Monstranzen weltweit.
Praktische Infos
Asamkirche Maria de Victoria, Neubaustraße 1½, 85049 Ingolstadt
Öffnungszeiten: Sommer 10–12 und 13–17 Uhr, Winter 10–12 und 13–16 Uhr, montags geschlossen
Eintritt: regulär 4,00 €, ermäßigt 2,50 €, Gruppen ab 10 Personen 2,50 € pro Person, unter 18 Jahren frei
Führungen nach Absprache möglich. Trägerin: Bürgerkongregation Maria vom Sieg Ingolstadt
