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Von Otto Wagner zu Ernst Fuchs, vom Verfall zur Vision

A-Wien [SiSt24 Media] Am Rand des Wienerwaldes, in Hütteldorf, steht eine Villa, die zwei sehr unterschiedliche Künstler miteinander verbindet. Otto Wagner errichtete das Haus Ende des 19. Jahrhunderts für sich selbst. Jahrzehnte später bewahrte Ernst Fuchs das bereits schwer beschädigte Gebäude vor dem Verfall und machte es zu seinem eigenen Gesamtkunstwerk. Seit 1988 beherbergt die Villa das Ernst-Fuchs-Museum.

Eine Sommervilla für die Wiener Gesellschaft

1888 ließ sich der damals noch junge Architekt Otto Wagner in der Hüttelbergstraße eine repräsentative Sommervilla errichten. Seine späteren Hauptwerke wie die Wiener Stadtbahn oder die Postsparkasse lagen zu diesem Zeitpunkt noch Jahre in der Zukunft.

Das großzügige Haus mit seiner offenen Halle, der Freitreppe und den beiden Seitenflügeln entwickelte sich zu einem Treffpunkt der Wiener Gesellschaft. Künstler und Kulturschaffende gingen hier ein und aus. Zu den Gästen zählten Gustav Klimt, Gustav Mahler und Adolf Loos.

1912 verkaufte Wagner die Villa an den Theaterdirektor Ben Tiber. In den folgenden Jahrzehnten verlor das Gebäude viel von seinem einstigen Glanz. Während des Nationalsozialismus wurde die Villa enteignet, ihre Besitzer wurden vertrieben. Danach setzte ein langsamer Verfall ein. Das Haus stand zeitweise leer oder wurde nur noch notdürftig genutzt, Dach und Fassade litten, ebenso die historische Bausubstanz.

Ernst Fuchs bewahrt die Villa vor dem Abriss

Ernst Fuchs kannte das Anwesen bereits aus seiner Kindheit in den späten 1930er Jahren. 1972 kaufte der Wiener Maler die inzwischen stark heruntergekommene Villa und bewahrte sie damit vor dem drohenden Abriss.

Was folgte, war keine Restaurierung im Sinne einer möglichst originalgetreuen Rückkehr zu Otto Wagner. Fuchs machte das Gebäude zugleich zu seinem eigenen Kunstwerk. Über Jahre entstanden Räume voller Malerei, Gold, Ornamente und skulpturaler Elemente. Selbst Möbel und zahlreiche Details der Innenausstattung wurden Teil seiner Gestaltung.

Damit treffen in der Villa zwei Epochen aufeinander: die Architektur des jungen Otto Wagner und die farbintensive, symbolreiche Bildwelt des Phantastischen Realismus. Gerade dieser Kontrast bestimmt den Charakter des Hauses bis heute.

1988 öffnete Fuchs die restaurierte Villa für die Öffentlichkeit. Aus dem privaten Wohn- und Arbeitsort wurde das Ernst-Fuchs-Museum. Obwohl der Künstler später nach Monte Carlo zog, nutzte er das Haus bis zu seinem Tod 2015 weiterhin als Atelier und zeitweiligen Wohnsitz.

Ein Museum, das selbst zum Ausstellungsstück wird

Wer die Villa betritt, besucht deshalb nicht einfach eine Sammlung von Gemälden. Das Gebäude selbst gehört zur Ausstellung. Großer Salon, Adolf-Böhm-Saal und Blauer Salon sind mit Gemälden, Skulpturen und von Fuchs entworfenen Möbeln ausgestattet. Werke und Innenarchitektur gehen dabei ineinander über.

Auch im Garten setzte Fuchs seine Vorstellungen fort. Dort entstand das Nymphäum Omega, ein von Mosaiken, Figuren und ornamentalen Formen bestimmtes Brunnenhaus. Es gehört zu jenen Bereichen, an denen besonders deutlich wird, wie weit Fuchs seinen Anspruch auf ein Gesamtkunstwerk ausdehnte.

Die Villa erzählt damit zugleich zwei Geschichten: von Otto Wagners frühem architektonischem Schaffen und von Ernst Fuchs, der ein gefährdetes Gebäude rettete, es aber nicht zum historischen Denkmal erstarren ließ. Er hinterließ darin eine zweite, unverwechselbare künstlerische Schicht.

Besucherinformationen

Das Ernst-Fuchs-Museum befindet sich in der Hüttelbergstraße 26 im 14. Wiener Gemeindebezirk. Geöffnet ist es von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 16 Uhr, montags bleibt das Museum geschlossen.

Der reguläre Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt kostet der Besuch 9 Euro. Mit der Niederösterreich-Card ist der Eintritt kostenlos. Führungen werden freitags um 14 Uhr angeboten. Eine Anmeldung sollte spätestens drei Tage vorher erfolgen; Führungen werden ab fünf Personen durchgeführt.

Mit den Buslinien 148 oder 152 und der Haltestelle Ernst-Fuchs-Museum lässt sich die Villa auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Wer sich für Wiener Architekturgeschichte interessiert, bekommt hier etwas zu sehen, das sich kaum in eine klassische Museumskategorie einordnen lässt: ein Haus von Otto Wagner, das Ernst Fuchs rund acht Jahrzehnte später zu einem eigenen Kunstwerk weiterentwickelte.

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