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Ein Gesamtkunstwerk aus drei Fürstbischofsgenerationen: Die Würzburger Residenz

Würzburg [SiSt24] Als Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn im Jahr 1720 den Grundstein für seine neue Residenz legen ließ, konnte niemand ahnen, dass daraus eines der bedeutendsten Barockschlösser Europas werden würde. Der beauftragte Baumeister war zu diesem Zeitpunkt noch jung und weitgehend unbekannt: Balthasar Neumann, geboren 1687, gestorben 1753, der mit diesem einen Auftrag zu einem der bedeutendsten Architekten seiner Epoche wurde. Fertiggestellt im Rohbau 1744, vollständig ausgestattet erst 1780, zählt die Residenz seit 1981 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Ein Bauprojekt über drei Fürstbischofsgenerationen

Die Baukosten beliefen sich auf etwa 1,5 Millionen Gulden, eine gewaltige Summe, wenn man bedenkt, dass ein Taglöhner damals rund einen Gulden pro Woche verdiente. Bis zur Vollendung des Baus diente Neumann nicht nur seinem ursprünglichen Auftraggeber, sondern auch dessen Bruder und Nachfolger Friedrich Carl von Schönborn sowie zwei weiteren Würzburger Fürstbischöfen. Ein Bauprojekt, das sich über Jahrzehnte und mehrere Regierungen hinweg zog, war im 18. Jahrhundert keine Seltenheit, doch nur wenige davon erreichten am Ende eine derartige stilistische Geschlossenheit.

Das lag nicht zuletzt daran, dass Neumann keineswegs allein plante. Er wertete die Entwürfe der damals führenden europäischen Architekten aus, darunter Maximilian von Welsch, Lucas von Hildebrandt, Germain Boffrand und Robert de Cotte, und band Teile davon in seine eigene Planung ein. Was dabei entstand, vereint deutschen Barock, französische Klassik und den Wiener Reichsstil in einer Weise, die es so kein zweites Mal gibt. Drei Generationen von Künstlern und Kunsthandwerkern aus ganz Europa prägten in der Folge die eigenständige Handschrift der Würzburger Hofkunst.

Tiepolo setzt den Schlusspunkt

Den Höhepunkt und beinahe schon Schlusspunkt der Innendekoration setzte der Venezianer Giovanni Battista Tiepolo mit seinen zwischen 1751 und 1753 entstandenen Deckenfresken im Kaisersaal und im Treppenhaus. Besonders das Fresko über dem Treppenhaus gilt als eines der größten je gemalten Deckenbilder überhaupt, 18 mal 30 Meter Fläche, auf der die vier damals bekannten Erdteile allegorisch versammelt sind, während Apollo als Sonnengott über der Welt aufsteigt.

Wer die breite, freitragende Treppe emporsteigt, bekommt das Fresko dabei nicht auf einen Blick zu sehen, sondern erschließt es sich Stufe für Stufe, ein Effekt, den Neumann und Tiepolo bewusst einkalkulierten. Erst oben angekommen offenbart sich die gesamte Komposition, und mancher Besucher bleibt an dieser Stelle stehen, um den Blick noch einmal zurück und nach oben schweifen zu lassen.

Die Nacht, in der fast alles verloren ging

In der Nacht zum 16. März 1945 legte ein britischer Bombenangriff die Würzburger Innenstadt fast vollständig in Schutt und Asche, auch die Residenz brannte bis auf die Außenmauern aus. Dass Treppenhaus und Kaisersaal mit Tiepolos Fresken die Katastrophe überstanden, verdankt sich ausgerechnet Neumanns Konstruktion: Das steinerne Gewölbe über der Treppe war so stabil gebaut, dass es dem einstürzenden Dach und dem Feuer standhielt, während weite Teile des übrigen Gebäudes ausbrannten.

Weniger Glück hatte das Spiegelkabinett, eine der aufwendigsten Rokoko-Raumschöpfungen der Residenz überhaupt, mit bemalten Glasplatten und vergoldeten Stuckornamenten. Es brannte 1945 vollständig aus und musste in den folgenden Jahrzehnten anhand historischer Fotografien und erhaltener Fragmente aufwendig rekonstruiert werden. Erst 1987, mehr als vierzig Jahre nach der Zerstörung, konnte der Raum wieder für Besucher geöffnet werden, ein Wiederaufbau, der auch für den Rest der Residenz beispielhaft war.

Weltkulturerbe seit 1981

1981 nahm die UNESCO die Würzburger Residenz gemeinsam mit Hofgarten und Residenzplatz in die Welterbeliste auf, als eine der bedeutendsten Barockanlagen nördlich der Alpen. Begründet wurde die Aufnahme unter anderem damit, dass hier süddeutscher, österreichischer und böhmischer Barock mit französischen und italienischen Einflüssen zu einer eigenständigen künstlerischen Einheit verschmelzen, ein Ergebnis, das Neumanns europäischem Planungsansatz und der jahrzehntelangen Zusammenarbeit mit Künstlern wie Tiepolo zu verdanken ist.

Praktische Informationen für den Besuch

Die Residenz ist von April bis Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, von November bis März von 10 bis 16.30 Uhr, mit Ausnahme einiger Feiertage wie Heiligabend, Weihnachten, Silvester und Faschingsdienstag. Der Rundgang führt durch Treppenhaus, Kaisersaal, Weißen Saal, Spiegelkabinett und zahlreiche weitere Prunkräume, ergänzt um wechselnde Sonderführungen. Für den Hofgarten, der zur selben Anlage gehört, wird kein Eintritt erhoben.

Tickets und weitere Informationen: www.residenz-wuerzburg.de

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