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Ältestes Vergnügen in Wien – der Prater

A-Wien [SiSt24 Media] Kaiser Joseph II. machte den Wiener Prater 1766 für die Allgemeinheit zugänglich. Aus dem einst kaiserlichen Jagdgebiet entwickelte sich ein Freizeitareal, zu dem heute auch der weltbekannte Wurstelprater gehört. 2026 erinnert Wien an 260 Jahre öffentlichen Prater. Zum Jubiläumsjahr gehören neue Attraktionen, technische Arbeiten am Riesenrad und ein großes Fest im September.

Vom Jagdgebiet zum öffentlichen Prater

Die Geschichte des Praters reicht wesentlich weiter zurück. Bereits 1162 taucht das Gebiet unter der Bezeichnung „Pratum“ in einer Urkunde auf. Über Jahrhunderte diente es vor allem als Jagdgebiet und blieb der Bevölkerung weitgehend verschlossen.

Das änderte sich 1766. Kaiser Joseph II. gab den Prater für die Allgemeinheit frei. Die Wiener durften das Gelände nun zum Spazierengehen, Reiten, Fahren und zur Unterhaltung nutzen. Bald siedelten sich Wirte, Schausteller und Unterhaltungsgeschäfte an. Daraus entwickelte sich jener Teil des Praters, der später als Wurstelprater bekannt wurde.

Der Eintritt in diesen Vergnügungsbereich ist bis heute kostenlos. Bezahlt wird an den einzelnen Fahrgeschäften und Attraktionen.

Eisenbahn-Karussell, Weltausstellung und Riesenrad

Die weitere Entwicklung verlief nicht geradlinig. Immer wieder kamen neue Attraktionen hinzu, andere verschwanden. 1844 nahm ein Eisenbahn-Karussell den Betrieb auf. Einen gewaltigen Entwicklungsschub brachte die Wiener Weltausstellung von 1873. Ihr Zentrum bildete die Rotunde, deren Kuppel einen Durchmesser von 108 Metern erreichte.

1897 kam jenes Bauwerk hinzu, das heute weltweit mit dem Wiener Prater verbunden wird: das Riesenrad. Rund 65 Meter hoch und ursprünglich mit 30 Waggons ausgestattet, überstand es politische Umbrüche, zwei Weltkriege und einen Brand.

Auch Geisterbahnen gehören seit den 1930er Jahren zur Geschichte des Praters. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Vergnügungsparks zerstört. Erst in den Nachkriegsjahren entstand der Wurstelprater in seiner heutigen Form neu.

Der gesamte Prater ist allerdings erheblich größer als der Bereich mit Riesenrad, Achterbahnen und Karussells. Zusammen mit seinen ausgedehnten Grünflächen umfasst das Areal rund sechs Millionen Quadratmeter zwischen Praterstern und Krieau.

Ein Ball zum 260. Geburtstag

Sein Jubiläumsjahr begann der Prater bereits im März 2026 mit dem Praterball im Prater Dome. Unter der Schirmherrschaft des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig stand der Abend unter dem Motto venezianischer Eleganz. Abendgarderobe und Maske gehörten zum Konzept.

Praterverbandspräsidentin Silvia Lang bezeichnete die Veranstaltung als Hommage an die besondere Verbindung von Nostalgie und Moderne im Wurstelprater.

Genau diese Mischung prägt auch das Jubiläumsjahr. Historische Attraktionen stehen neben moderner Unterhaltungstechnik, während selbst das mehr als 125 Jahre alte Riesenrad technisch weiterentwickelt wird.

Technische Arbeiten am Wiener Riesenrad

Zum Saisonstart 2026 wurden die Waggons des Riesenrads überarbeitet. Dazu gehören neue Böden, Arbeiten an den Seilspeichen und aufgefrischte Außenflächen.

Im Innenraum der Waggons kam außerdem eine photokatalytische Glasbeschichtung mit der Bezeichnung AIR2LIFE zum Einsatz. Nach Angaben der Anbieter soll sie unter Lichteinwirkung unter anderem bestimmte Schadstoffe sowie biologische Belastungen reduzieren, ohne dafür eine zusätzliche elektrische Energieversorgung zu benötigen.

Die Beschichtung wurde nach Angaben der beteiligten Unternehmen auch hinsichtlich ihrer Eignung für Allergiker untersucht und durch die European Centre for Allergy Research Foundation zertifiziert. Damit hält moderne Materialtechnik Einzug in eine Attraktion, deren Grundkonstruktion aus dem Jahr 1897 stammt.

Neue Attraktionen zwischen Hightech und Nostalgie

Auch abseits des Riesenrads verändert sich der Wurstelprater weiter. Zu den neueren Angeboten gehören eine große Laser-Tag-Arena und die Bewegungsspiele von Pixel Games. Bei Windobona lässt sich der freie Fall beim Indoor-Skydiving ausprobieren.

Daneben setzt der Prater bewusst auf seine historische Seite. Das neue Alt Wiener Karussell greift die Gestaltung klassischer Fahrgeschäfte auf. Magic World Vienna ergänzt das Angebot mit neuen Showformaten.

Ein eigenes Jubiläum gibt es wenige Meter vom Riesenrad entfernt: Madame Tussauds Wien besteht 2026 seit 15 Jahren am Standort im Prater.

So bleibt das Grundprinzip bemerkenswert konstant. Seit dem 18. Jahrhundert kommen Menschen hierher, um sich unterhalten zu lassen. Nur die Technik dahinter hat sich geringfügig weiterentwickelt.

Großes Jubiläumsfest im September

Der Höhepunkt des Jubiläumsjahres ist für den 18. bis 20. September 2026 angekündigt. Drei Tage lang soll mitten im Wurstelprater das 260-jährige Bestehen des öffentlichen Praters gefeiert werden.

Weitere Veranstaltungen verteilen sich über die Saison. Dazu gehören traditionelle Termine ebenso wie moderne Veranstaltungsformate. Der Prater bleibt damit nicht nur Vergnügungspark, sondern Veranstaltungsort und ein Stück Wiener Alltagskultur.

Die Hauptsaison läuft 2026 bis zum 31. Oktober. Während dieser Zeit sind zahlreiche Fahrgeschäfte täglich ungefähr zwischen 10 und 24 Uhr in Betrieb, wobei die tatsächlichen Öffnungszeiten je nach Attraktion, Wetter und Besucheraufkommen abweichen können. Einzelne Einrichtungen wie das Wiener Riesenrad und Madame Tussauds sind ganzjährig geöffnet.

Auch nach dem Jubiläum stehen Veränderungen an. Für den öffentlichen Verkehr ist eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 18 in Richtung Prater vorgesehen. Ende 2027 soll außerdem ein neues Theater mit rund 1.800 Plätzen das Freizeit- und Kulturangebot ergänzen.

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