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Stift Melk: Verborgene Schätze in der Mineraliensammlung

A-Wien [SiSt24 Media] Wer Stift Melk besucht, denkt zunächst an Barock, Bibliothek und die monumentale Stiftskirche. Etwas abseits des klassischen Rundgangs wartet jedoch eine Sammlung, die einen ganz anderen Teil der Geschichte des Benediktinerstifts erzählt. Seit 1767 werden in Melk Mineralien gesammelt. Heute umfasst der Bestand rund 6.400 Exponate mit etwa 1.500 Mineralienarten und Varietäten. Rund 1.300 Stück sind ausgestellt. Und selbst der Raum, in dem sie liegen, ist bereits ein Museumsstück.

Sammeln für Wissenschaft und Unterricht

Dass Benediktinermönche Mineralien sammelten, war kein exotisches Hobby einiger Geistlicher mit einer Vorliebe für glitzernde Steine. Klöster waren über Jahrhunderte wichtige Orte von Bildung und Wissenschaft. In Melk besteht die Klosterschule bereits seit dem 12. Jahrhundert, und für den Unterricht entstanden naturkundliche Sammlungen mit Pflanzen, Vögeln, Säugetieren, Insekten und Mineralien.

Den entscheidenden Anfang der heutigen Mineraliensammlung markiert das Jahr 1767. Unter Abt Urban II. Hauer erwarb das Stift die Naturaliensammlung des Trientiner Weltpriesters Josephus, auch Giuseppe, Gianni. Sie enthielt vor allem Conchylien, also Muscheln und Schnecken, aber auch Mineralien. Ein handkolorierter Katalog der Conchyliensammlung von 1765 ist erhalten. Für die damaligen Mineralien existiert dagegen kein vergleichbares Verzeichnis.

Was im 18. Jahrhundert begann, wurde über Generationen weitergeführt, wissenschaftlich neu geordnet und immer wieder ergänzt.

Eine Bibliothek wird zum Mineralienkabinett

Besonders reizvoll ist der Ort der Ausstellung. Die Mineraliensammlung befindet sich in der ehemaligen privaten Bibliothek des Abtes Berthold Dietmayr. Der barocke Saal entstand um 1720. Im Jahr 1803 brachte Abt Isidor Payrhuber die Mineraliensammlung hier unter.

Damit treffen zwei vollkommen unterschiedliche Welten aufeinander: barocker Stuck, historische Ausstattung und ein Deckengemälde über einer wissenschaftlichen Sammlung aus Kristallen, Erzen und Edelsteinen.

Selbst einige der Schaukästen gehören zur Geschichte der Sammlung. Drei barocke Kästen stammen aus der Anfangszeit, weitere historische Sammlungsmöbel kamen 1803 hinzu. Pultvitrinen gehen teilweise auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Die Präsentation erzählt deshalb nicht nur etwas über Mineralogie, sondern auch darüber, wie wissenschaftliche Sammlungen vor mehr als zwei Jahrhunderten aufgebaut wurden.

Der Raum zeigt außerdem eine Ansicht des vorbarocken Stifts Melk. Damit befindet sich über den Mineralien gewissermaßen noch ein Fenster in jene Zeit, bevor die heute so dominante barocke Klosteranlage entstand.

6.400 Exponate und kein buntes Sammelsurium

Die Dimension der Sammlung überrascht. Nach Angaben des Stifts umfasst der Gesamtbestand rund 6.400 Exponate. Etwa 1.300 Stück werden im Saal gezeigt. Rund 1.500 Mineralienarten und Varietäten sind vertreten.

Die Stücke liegen dabei nicht einfach nach dem bewährten Museumssystem „schön, schöner, glitzert besonders hübsch“ nebeneinander.

Melk versteht die Sammlung ausdrücklich als wissenschaftliche Sammlung. Die systematische Abteilung ist nach der international verwendeten Systematik des deutschen Mineralogen Hugo Strunz geordnet. Dabei werden Mineralien anhand ihrer chemischen Zusammensetzung und Kristallstruktur in Gruppen eingeordnet.

Auch das ist Teil der Geschichte. Um 1801 orientierte man sich in Melk am System Abraham Gottlob Werners, ab 1852 an Friedrich Mohs, dessen Name bis heute durch die Mohssche Härteskala bekannt ist. Die Sammlung entwickelte sich also gemeinsam mit der Mineralogie als Wissenschaft weiter.

Gold, Amethyst und eine Sandcalcit-Rose

Unter den historischen Beständen befinden sich Stücke aus den ehemaligen Kronländern Österreich-Ungarns, aber auch Mineralien aus Westeuropa, Russland und Übersee.

Einige Exemplare stechen besonders hervor. Dazu zählt eine handtellergroße Goldstufe aus Roșia Montană, dem historischen Verespatak in Rumänien. Aus dem heutigen Banská Štiavnica in der Slowakei stammen auffällige Amethystkristalle. Hinzu kommen eine große Sandcalcit-Rose aus Paris, Manganit-Stufen aus Ilfeld sowie Mineralien aus Lagerstätten im Harz, Schwarzwald und in Böhmen.

Die Sammlung blieb dabei nicht im 19. Jahrhundert stehen. Neuere Funde und gezielte Ankäufe ergänzten die historischen Bestände.

Eine wichtige Erweiterung gelang 2001 mit dem Ankauf einer rund 600 Stück umfassenden Niederösterreich-Sammlung von Simone und Peter Huber. Dadurch konnte die regionale Mineralogie wesentlich stärker präsentiert werden.

Niederösterreich unter Glas

Gerade diese regionale Sammlung macht deutlich, dass Mineralogie nicht zwangsläufig bei exotischen Fundorten auf anderen Kontinenten beginnen muss.

Zu sehen sind beispielsweise Milaritkristalle aus Artolz im Waldviertel, ein großer Xenotim-Kristall aus Amstall, tiefblaue Lazulithe aus der Buckligen Welt sowie zahlreiche Quarzvarianten aus Niederösterreich. Bergkristall, Rauchquarz, Citrin, Amethyst, Achat und Jaspis zeigen, welche Vielfalt buchstäblich unter den Füßen liegt.

Ein besonderes Stück ist ein großer, hochglänzender Morion-Doppelender aus dem Pegmatitsteinbruch Königsalm. Morion bezeichnet eine besonders dunkle Varietät des Rauchquarzes.

Damit bekommt die Sammlung neben ihrem historischen auch einen starken regionalen Bezug. Wer vorher durch die Wachau nach Melk gefahren ist, begegnet im Kloster plötzlich einer ganz anderen Form österreichischer Landschaftsgeschichte.

Vom Rohstein zum Edelstein

Eine eigene Edelsteinsammlung erweitert das Thema. In einer sechseckigen historischen Vitrine werden rund 120 verschiedene edle Steine aus aller Welt präsentiert.

Das Interessante daran ist die Gegenüberstellung: Die Mineralien werden sowohl roh als auch geschliffen gezeigt. Dadurch lässt sich unmittelbar nachvollziehen, was der menschliche Schliff aus einem zunächst unscheinbaren oder nur teilweise erkennbaren Kristall macht.

Vertreten sind unter anderem Diamanten, Smaragde, Rubine, Saphire, Türkise und Edelopale. Daneben finden sich ungewöhnlichere österreichische Stücke wie grüne Zinkblende aus der Rauris, rosa Apatit aus Sunk bei Trieben, Citrine aus dem Waldviertel und Mondsteine aus dem Zillertal.

Gerade für Besucher ohne mineralogische Vorkenntnisse gehört dieser Vergleich zwischen Naturform und geschliffenem Edelstein zu den anschaulichsten Teilen der Sammlung.

Eine Sammlung verschwindet beinahe

Ihre heutige Präsentation war keineswegs selbstverständlich. Die Mineraliensammlung wechselte im Laufe ihrer Geschichte mehrfach den Standort. 1913 musste sie ihre Räume für das Wirtschaftsarchiv räumen und wurde in den Dietmayrsaal verlegt. Nach dem Tod des letzten Kustos Pater Martin Prohaska im Jahr 1971 begann eine schwierige Phase, in der der wissenschaftliche und materielle Wert der Bestände teilweise aus dem Blick geriet.

1991 kehrte die Sammlung schließlich in die ehemalige Abtbibliothek zurück.

1998 ernannte Abt Burkhard Ellegast Pater Petrus Lehninger zum Kustos. In den folgenden Jahren begann eine grundlegende Aufarbeitung. Die historischen Schaukästen wurden restauriert, jedes Exponat gereinigt, Mineralart und Fundort überprüft, die Bestände katalogisiert und neu beschriftet. 2007 war die Restaurierung abgeschlossen und die Sammlung wurde erstmals regulär für interessierte Besucher geöffnet.

Aus einer zeitweise gefährdeten historischen Sammlung wurde damit wieder ein lebendiges wissenschaftliches Kabinett.

Der Abstecher lohnt sich

Die Mineraliensammlung ist gerade deshalb interessant, weil sie einen Kontrast zum übrigen Besuch des Stifts bildet. Wenige Minuten zuvor dominieren Barockarchitektur, Gemälde, Handschriften und Kirchengeschichte. Dann steht man zwischen Goldstufen, Quarzen, Edelsteinen und 250 Jahren naturwissenschaftlicher Sammlungsgeschichte.

2026 ist die Mineraliensammlung von April bis Oktober täglich von 13.30 bis 15.30 Uhr geöffnet. Nach den aktuellen Besucherinformationen des Stifts ist der Besuch im Eintritt zur Stiftsbesichtigung enthalten. An stark frequentierten Tagen kann die Besichtigungszeit wegen der begrenzten Raumkapazität auf 15 Minuten beschränkt werden. Der historische Zugang über eine Wendeltreppe aus dem 18. Jahrhundert ist nicht barrierefrei.

Mineraliensammlung des Stifts Melk

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