Marchfelderhof: Wie ein FESTaurant seit 180 Jahren weiterRESTet

A-Deutsch-Wagram [SiSt24 Media] Seit mehr als fünfzig Jahren nennt sich der Marchfelderhof im niederösterreichischen Deutsch-Wagram nicht Restaurant, sondern „FESTaurant“. Das Wortspiel beschreibt ziemlich genau, was das Haus sein will. Hier geht es nicht allein ums Essen. Gefeiert werden Geburtstage und Jubiläen, der Marchfelder Spargel ebenso wie Künstler und Kulturpreise. Und manchmal verschwimmen diese Anlässe miteinander.

Ein Haus mit Geschichte

Die gastronomische Tradition am Standort reicht bis 1843 zurück. Im Jahr 2023 feierte der Marchfelderhof sein 180-jähriges Bestehen. Das Datum hatte eine besondere Pointe: Betreiber Peter Großmann wurde am selben Tag 60 Jahre alt.

Großmann hatte das Haus 2021 nach dem plötzlichen Tod seines Ziehvaters Gerhard Bocek übernommen. Bocek prägte den Marchfelderhof über Jahrzehnte und machte ihn zu einer bekannten Adresse für Feiern und gesellschaftliche Veranstaltungen. Zahlreiche Künstler und Prominente waren hier zu Gast, darunter auch Falco.

Für Großmann stellte sich nach der Übernahme deshalb nicht die Frage, möglichst viel zu verändern. Im Gegenteil. „Es wäre verrückt, ein funktionierendes Konzept radikal zu verändern“, beschrieb er später seine Haltung. Die Idee hinter dem Marchfelderhof blieb dieselbe: Wer durch die Tür kommt, soll für zwei oder drei Stunden den Alltag draußen lassen können.

Nach Bocek musste es weitergehen

Nach Boceks Tod war zunächst keineswegs sicher, ob das funktionieren würde. Sechzehn Mitarbeiter standen vor der Frage, wie es mit dem laufenden Betrieb weitergehen sollte. Gleichzeitig blieb die Ungewissheit, wie stark der Erfolg des Hauses an der Person Gerhard Bocek hing.

Die Stammgäste blieben. Viele sprechen noch heute von Bocek. Großmann sieht darin keinen Widerspruch zu seiner eigenen Rolle, sondern einen Teil der Identität des Hauses. Dazu gehört auch ein langjähriges Team, das den besonderen Charakter des Marchfelderhofs mitträgt.

Der zeigt sich schon in den Räumen. Kaiser-Zimmer, Franz-Josef-Zimmer und Gobelin-Saal lassen wenig Raum für gestalterische Zurückhaltung. Goldene Sessel, Bilderwände, historische Erinnerungsstücke und eine kaum überschaubare Zahl von Lampen gehören zum Konzept. Der Restaurantführer Gault&Millau bezeichnet das Ambiente treffend als pompös. Auch die Küche bleibt der österreichischen Tradition verbunden, von Wiener Klassikern bis zu Gerichten, die an die Zeit der Monarchie erinnern.

Der „Walzer-Oscar“ im Marchfelderhof

Wie sehr das Haus weiterhin als Bühne für gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen funktioniert, zeigte sich am 27. Juli 2026. Die Johann Strauss-Gesellschaft Wien verlieh hier zum dreizehnten Mal den „Goldenen Johann Strauss“, der auch als „Walzer-Oscar“ bezeichnet wird.

Ausgezeichnet wurde Helga Papouschek. Die langjährige Soubrette der Wiener Volksoper feierte an diesem Abend zugleich ihren 85. Geburtstag.

Unter den Gästen befanden sich Kammersänger Heinz Zednik, Dompfarrer Toni Faber, Kammerschauspielerin Marianne Nentwich und Olympiasiegerin Trixi Schuba sowie Vertreter der Wiener Philharmoniker. Zum Festakt gehörte ein Fünf-Gänge-Galadinner mit Weinen aus dem Weinviertel. Für den musikalischen Rahmen sorgten Johann Strauss-Konzertschrammeln.

Damit passte der Abend ziemlich genau zu jener Mischung, auf die der Marchfelderhof seit Jahrzehnten setzt: Essen, Musik, prominente Gäste und ein Anlass, der ruhig etwas größer gefeiert werden darf.

Wenn selbst der Spargel ein Fest bekommt

Das funktioniert im Marchfeld auch mit einem Gemüse. Dem Marchfelder Spargel widmet das Haus traditionell gleich mehrere Veranstaltungen. Saisonauftakt, Spargelgala und die Verleihung des „Goldenen Spargels“ gehören seit Jahren zum Kalender.

Daneben finden Geburtstagsfeiern für Künstler und bekannte Persönlichkeiten aus der österreichischen Kulturszene statt. Gerade diese Mischung verhindert, dass die vielen Erinnerungsstücke und historischen Anspielungen den Marchfelderhof zu einer bloßen Kulisse vergangener Zeiten machen.

Peter Großmann hat nach der Übernahme 2021 deshalb vor allem eines getan: Er hat nicht versucht, aus dem Marchfelderhof etwas völlig Neues zu machen. Das Haus lebt weiterhin von seinem Personal, seinen Stammgästen, seinen Geschichten und einer gehörigen Portion Inszenierung.

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