Maybach-Museum Neumarkt: Zeppelin-Motoren und Luxuslimousinen aus Friedrichshafen
Wer beim Stichwort Maybach nur an Luxuslimousinen mit chromblitzendem Kühlergrill denkt, kennt nur die Hälfte der Geschichte. Das Maybach-Museum in Neumarkt in der Oberpfalz erzählt, wie aus einem Zeppelin-Motorenbauer einer der bedeutendsten deutschen Automobilhersteller der Zwischenkriegszeit wurde, und wie dieser Weg über Rennrekorde, Dieseltechnik und, weniger rühmlich, Kriegsproduktion führte.



Vom Zeppelin-Motor zur Luxuslimousine
Karl Maybach gründete sein Unternehmen 1909 nicht als Autobauer, sondern als Motorenlieferant für Graf Zeppelins Luftschiffe. Die ersten Maybach-Motoren trieben Zeppeline über dem Bodensee an, bevor das Unternehmen 1921 mit dem W3 sein erstes eigenes Automobil vorstellte. Der W3 richtete sich von Anfang an an eine zahlungskräftige Kundschaft und markierte den Einstieg in den Bau von Luxuslimousinen, die bald mit Rolls-Royce und Horch konkurrierten. Ab 1919 bildete Maybach zudem eigene Lehrlinge aus, ein Programm, das über Jahrzehnte Fachkräfte für Friedrichshafen ausbildete.



Rekordfahrten auf Schiene und Straße
Maybach-Motoren blieben nicht auf Automobile beschränkt. 1932 stellte der Dieseltriebwagen „Fliegender Hamburger“ mit Maybach-Motoren einen Geschwindigkeitsrekord im Schienenverkehr auf und zeigte, wozu die Hochleistungsmotoren aus Friedrichshafen fähig waren. Parallel entwickelte das Unternehmen in den 1930er-Jahren die HL-Baureihe, leistungsstarke Motoren, die zunächst für zivile Zwecke gedacht waren. Modelle wie der DSH, die Zeppelin-Reihe DS7 und DS8 sowie die SW-Baureihe zeigen, wie breit das Motorenprogramm zwischen Luxusauto und Schwerlasttechnik aufgestellt war.


Kriegsproduktion und das Ende einer Ära
Wie viele deutsche Motorenhersteller wurde auch Maybach in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen. Die HL-Motorenreihe kam unter anderem in Panzern der Wehrmacht zum Einsatz, ein Kapitel der Firmengeschichte, das im Museum ohne Beschönigung dokumentiert wird. Nach 1945 endete die Automobilproduktion bei Maybach endgültig, das Unternehmen konzentrierte sich fortan auf Motoren für Schiffe und Schienenfahrzeuge und ging später in der Motoren- und Turbinen-Union auf. Die klassischen Maybach-Limousinen der 1920er- und 1930er-Jahre blieben damit eine geschlossene, überschaubare Werkgeschichte.


Praktische Infos: Das Maybach-Museum befindet sich in der Holzgartenstraße 8, 92318 Neumarkt in der Oberpfalz. Geöffnet ist von Mai bis Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, von November bis April von 11 bis 17 Uhr, montags bleibt das Museum geschlossen. Der Eintritt kostet für Erwachsene 11 Euro, für Auszubildende 7 Euro, Schulgruppen zahlen 6 Euro pro Person, Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt. Ab 16:30 Uhr gilt ein Kurztarif von 7 Euro. Auskunft gibt es unter der Telefonnummer +49 (0)9181 4877100 oder per E-Mail an info@automuseum-maybach.de.
