Das Parlament in Wien: Politik in historischen Mauern zum Durchgehen

A-Wien [SiSt24 Media] Nach mehrjähriger Generalsanierung ist das österreichische Parlament am Wiener Ring seit Januar 2023 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Das von Theophil Hansen entworfene Gebäude ist dabei nicht nur Sitz von Nationalrat und Bundesrat. Besucher können große Teile des Hauses bei kostenlosen Führungen kennenlernen und dabei auch jene Räume betreten, die sonst vor allem aus Fernsehübertragungen politischer Debatten bekannt sind.

Von der Ringstraßenzeit zur Zweiten Republik

Das Parlamentsgebäude entstand nach Plänen des dänisch-österreichischen Architekten Theophil Hansen. Der Grundstein wurde 1874 gelegt, 1883 war das damalige Reichsratsgebäude fertiggestellt. Hansen orientierte sich bei seiner Architektur deutlich an der griechischen Antike. Säulen, Statuen und zahlreiche weitere Details sollten einen Bezug zu den historischen Ursprüngen demokratischer Staatsformen herstellen.

Die Geschichte des Hauses verlief allerdings alles andere als geradlinig. Monarchie, Erste Republik, Austrofaschismus und nationalsozialistische Herrschaft hinterließen ihre Spuren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm auch die parlamentarische Demokratie hier wieder ihre Arbeit auf.

Damit erzählt das Gebäude nicht nur Architekturgeschichte. An ihm lassen sich wesentliche politische Umbrüche Österreichs seit dem späten 19. Jahrhundert nachvollziehen.

Die Generalsanierung verändert das Parlament

Von außen blieb das vertraute Erscheinungsbild weitgehend erhalten, im Inneren wurde das Parlament dagegen grundlegend erneuert. Die eigentliche Generalsanierung begann 2018. Anfang 2023 konnte das Gebäude wieder eröffnet werden.

Eine der auffälligsten Veränderungen befindet sich über dem Nationalratssaal. Ein Glasdach bringt heute Tageslicht in den Sitzungssaal. Gleichzeitig wurden bislang kaum öffentlich genutzte Bereiche unter dem Dach erschlossen. Mit dem Restaurant Kelsen und weiteren öffentlich zugänglichen Bereichen reicht der Besuch damit inzwischen bis weit über die klassischen Repräsentationsräume hinaus.

Auch ein Teil des bei der Sanierung entfernten Materials wurde weiterverwendet. Kupfer des historischen Daches gelangte zur Münze Österreich und wurde für Sammlermünzen genutzt. Ein Stück des alten Parlaments wechselte damit vom Dach in die Münzsammlung.

Einmal dort sitzen, wo sonst der Nationalrat tagt

Die öffentlichen Führungen durch das Parlament sind kostenlos. Vor dem Rundgang steht allerdings die Sicherheitskontrolle. Ein gültiger amtlicher Lichtbildausweis gehört deshalb unbedingt ins Gepäck.

Danach geht es durch verschiedene Bereiche des Hauses. Einer der interessantesten Punkte ist der Nationalratssaal. Das neue Glasdach verändert den Raumeindruck erheblich und lässt Tageslicht in einen Bereich, den Fernsehzuschauer meist nur während der Sitzungen sehen.

Neben allgemeinen Führungen werden unterschiedliche thematische Rundgänge angeboten. Sie beschäftigen sich beispielsweise mit Architektur, Kunst oder einzelnen Bereichen des parlamentarischen Betriebs. Auch Angebote für Familien gehören zum Programm.

Eine vorherige Reservierung ist sinnvoll, insbesondere an Tagen mit hoher Nachfrage.

Der Bundesrat und die neun Bundesländer

Neben dem Nationalrat tagt im Parlamentsgebäude auch der Bundesrat. Seine Mitglieder werden nicht direkt von den Bürgern gewählt, sondern von den Landtagen der neun österreichischen Bundesländer entsandt. Die Zusammensetzung richtet sich nach der Einwohnerzahl der Länder.

Der Bundesrat wirkt an der Gesetzgebung des Bundes mit. Seine Möglichkeiten unterscheiden sich allerdings deutlich von denen des Nationalrats. Bei vielen Gesetzen verfügt er lediglich über ein aufschiebendes Einspruchsrecht. Der Nationalrat kann einen solchen Einspruch unter bestimmten Voraussetzungen mit einem Beharrungsbeschluss überwinden.

Anders sieht es bei bestimmten Verfassungsänderungen aus, die Zuständigkeiten der Länder berühren. Hier ist die Zustimmung des Bundesrats erforderlich. Die zweite Kammer des österreichischen Parlaments hat damit in einzelnen Bereichen erheblich mehr Gewicht, als ihre öffentliche Wahrnehmung vermuten lässt.

Das Parlament besuchen

Das österreichische Parlament befindet sich am Dr.-Karl-Renner-Ring 3 in 1017 Wien. Durch seine Lage an der Ringstraße lässt sich der Besuch gut mit weiteren Stationen im historischen Zentrum verbinden.

Für die Teilnahme an einer Führung ist eine vorherige Online-Anmeldung empfehlenswert. Besucher müssen außerdem Zeit für die Sicherheitskontrolle einplanen und einen gültigen amtlichen Lichtbildausweis mitbringen.

Aktuelle Führungszeiten, verfügbare Termine und mögliche Einschränkungen durch den parlamentarischen Betrieb veröffentlicht das Parlament auf seiner Website. Gerade diese Abhängigkeit vom politischen Betrieb sollte bei der Planung berücksichtigt werden: Das Gebäude ist schließlich kein Museum, sondern weiterhin Arbeitsplatz des österreichischen Parlaments.

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