Es dreht und dreht und dreht und dreht sich weiter: Wiener Riesenrad!

A-Wien [SiSt24 Media] Seit 1897 dreht sich im Wiener Prater ein Wahrzeichen, das Kaiserreich, zwei Weltkriege und mehr als ein Jahrhundert technischer Entwicklung überstanden hat: das Wiener Riesenrad. Mit knapp 65 Metern Höhe gehört es zu den ältesten noch betriebenen Riesenrädern der Welt. Auch 2026 steht die Technik nicht still. Zum Saisonstart wurden die historischen Waggons erneut überarbeitet.

Ein technisches Wahrzeichen aus dem Kaiserreich

Errichtet wurde das Riesenrad 1897 anlässlich des 50-jährigen Thronjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. Hinter dem Projekt stand der britische Ingenieur Walter Basset, der bereits Erfahrungen mit ähnlichen Konstruktionen gesammelt hatte. An der technischen Umsetzung war Hubert Cecil Booth von Maudslay, Sons and Field beteiligt.

Nach nur acht Monaten Bauzeit fand am 25. Juni 1897 die erste Fahrt statt, die offizielle Eröffnung folgte am 3. Juli.

Mit 64,75 Metern Höhe, rund 61 Metern Durchmesser und einer Eisenkonstruktion von etwa 430 Tonnen war das Riesenrad eine technische Sensation. 30 Waggons hingen ursprünglich an der Konstruktion und ermöglichten einen für damalige Verhältnisse außergewöhnlichen Blick über Wien.

Was als Attraktion des ausgehenden 19. Jahrhunderts begann, entwickelte sich schnell zu einem Wahrzeichen der Stadt.

Zerstörung und Wiederaufbau

Auch das Riesenrad blieb vom Zweiten Weltkrieg nicht verschont. 1944 wurde die Anlage durch Kriegseinwirkungen schwer beschädigt. Ein anschließender Brand zerstörte die Waggons und weitere Teile der Anlage.

Nach Kriegsende begann der Wiederaufbau. Dabei kehrten allerdings nicht alle 30 Waggons zurück. Stattdessen wurde nur jede zweite Position wieder besetzt. Am 25. Mai 1947 nahm das Riesenrad mit 15 Waggons erneut den Betrieb auf.

Diese reduzierte Zahl blieb erhalten und prägt bis heute das Erscheinungsbild des Rades. Die Waggons wurden im Laufe der Jahrzehnte mehrfach instand gesetzt beziehungsweise erneuert, äußerlich blieb ihre historische Form erhalten.

Vom „Dritten Mann“ bis James Bond

Längst gehört das Riesenrad nicht nur zur Technik- und Stadtgeschichte Wiens. Auch im Film bekam die Konstruktion ihren festen Platz.

Besonders bekannt wurde die Szene aus Carol Reeds „Der dritte Mann“ von 1949. Orson Welles und Joseph Cotten stehen sich hoch über Wien in einem der Waggons gegenüber. Die Sequenz machte das Riesenrad auch international zu einem Symbol für die Stadt.

Fast vier Jahrzehnte später kam James Bond. 1987 war das Riesenrad in „Der Hauch des Todes“ mit Timothy Dalton zu sehen.

Zwei Filme, ein Rad, und beide Male eine Hauptrolle für ein Bauwerk, das ursprünglich als Vergnügungsattraktion gedacht war.

Mit 2,7 Kilometern pro Stunde über Wien

Heute wird das Wiener Riesenrad von der Wiener Riesenrad Dr. Lamac GmbH betrieben. Besonders hektisch geht es dabei nicht zu. Mit einer Umlaufgeschwindigkeit von etwa 2,7 Kilometern pro Stunde bleibt genügend Zeit für den Blick über Prater und Innenstadt.

Zum klassischen Riesenradbetrieb sind weitere Angebote gekommen. Im Eingangsbereich erzählt das Panorama Museum die Geschichte des Rades und des Wiener Praters. Einzelne Waggons können für Veranstaltungen gebucht werden, vom Dinner bis zur Hochzeit.

Seit Mai 2022 geht es noch etwas luftiger. Plattform 9 verzichtet auf die klassische geschlossene Gondel. Besucher stehen auf einer offenen Plattform mit Glasboden, ohne Seitenwände und Dach. Gesichert wird das Erlebnis entsprechend, denn zwischen Plattform und Wiener Boden liegen einige Meter, die selbst überzeugte Freunde historischer Technik nicht vollständig ignorieren können.

Neue Technik für historische Waggons

Zum Saisonstart 2026 wurden auch die klassischen Waggons technisch und optisch überarbeitet. Dazu gehören erneuerte Böden, Arbeiten an den Seilspeichen und aufgefrischte Außenflächen.

Neu ist außerdem eine Beschichtung der Glasflächen mit der Bezeichnung AIR2LIFE. Dabei handelt es sich um eine photokatalytisch wirkende Oberfläche. Nach Angaben des Anbieters soll sie unter Lichteinwirkung bestimmte Schadstoffe und biologische Belastungen reduzieren.

Die eingesetzte Lösung trägt eine Zertifizierung der European Centre for Allergy Research Foundation, kurz ECARF. Damit steckt inzwischen auch moderne Oberflächentechnik in den Waggons eines Riesenrads, dessen Grundkonstruktion aus dem Jahr 1897 stammt.

Ein Stück Technikgeschichte in Betrieb

Das Wiener Riesenrad steht am Riesenradplatz 1 im zweiten Wiener Gemeindebezirk und wird ganzjährig betrieben. Der reguläre Fahrpreis für Erwachsene liegt 2026 bei rund 14,50 Euro.

Seine Besonderheit liegt weniger in Rekorden bei Höhe oder Geschwindigkeit. Moderne Riesenräder überragen die Wiener Konstruktion längst um ein Mehrfaches. In Wien fährt man dagegen mit einem Stück Technikgeschichte.

Fast 130 Jahre nach seiner Eröffnung erfüllt das Riesenrad noch immer genau den Zweck, für den es gebaut wurde: Menschen steigen unten ein, betrachten Wien von oben und kommen nach einer gemächlichen Runde wieder dort an, wo sie begonnen haben. Dass eine technische Konstruktion aus dem Kaiserreich das im Jahr 2026 noch immer im täglichen Betrieb schafft, ist vermutlich der bemerkenswerteste Rekord dieses Riesenrads.

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