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Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen: Das Gefängnis, das es offiziell nicht gab

D-Berlin [SiSt24 Media] In Berlin-Hohenschönhausen steht ein Gebäudekomplex, der auf keiner DDR-Stadtkarte verzeichnet war. Zwischen 1951 und 1989 saßen hier mehr als 11.000 Menschen in Untersuchungshaft, weil sie der Staatssicherheit aus politischen Gründen verdächtig erschienen. Die Adresse tauchte in keinem Stadtplan auf, Busse hielten unter falscher Bezeichnung, und Angehörige erfuhren oft jahrelang nicht, wo ihre Verwandten einsaßen. Heute ist die frühere Stasi-Haftanstalt eine Gedenkstätte, durch die vielfach ehemalige Häftlinge selbst führen.

Ein Lager der Sowjets, dann ein Gefängnis der Stasi

Das Gelände diente den sowjetischen Besatzern bereits ab 1945 als Speziallager, in dem NS-Verdächtige, aber auch politische Gegner unter katastrophalen Bedingungen inhaftiert waren. 1946 richtete der sowjetische Geheimdienst hier ein Untersuchungsgefängnis ein, 1951 übernahm das Ministerium für Staatssicherheit den Standort und baute ihn zur zentralen Untersuchungshaftanstalt für politische Fälle in der gesamten DDR aus.

In den ersten Jahren unter sowjetischer wie unter Stasi-Regie gehörten körperliche Gewalt, Kälte und Schlafentzug zum Alltag der Haft. Die unterirdischen Zellen jener Zeit, im Jargon der Insassen „U-Boot“ genannt, hatten kein Tageslicht und kaum Belüftung.

Methoden ohne blaue Flecken

Ab den 1960er-Jahren änderte die Stasi ihre Taktik. Sichtbare Verletzungen hätten dem internationalen Ansehen der DDR geschadet, also setzte man auf psychischen Druck: Isolation, Ungewissheit über die Dauer der Haft, Verhöre zu jeder Tages- und Nachtzeit sowie das gezielte Vorspiegeln von Wissen, das die Vernehmer oft gar nicht hatten. Viele ehemalige Häftlinge berichten, dass diese Methoden sie länger verfolgt haben als körperliche Gewalt es getan hätte.

Kein Name, kein Blick, keine Uhrzeit

Das ab 1960 errichtete Hafthaus wurde so gebaut, dass sich Gefangene nie begegneten. Ein Ampelsystem in den Fluren zeigte den Wärtern an, ob ein Zellentrakt frei war, bevor sie einen Häftling zum Verhör oder zur Toilette führten. Namen spielten kaum eine Rolle, gerufen wurde per Nummer oder Codewort. Uhren fehlten, Fenster waren blickdicht, und die Vernehmer nutzten dieses Nichtwissen gezielt aus, um Gefangene zu zermürben.

Vom Geheimobjekt zur Gedenkstätte

Erst der Druck ehemaliger Häftlinge sorgte dafür, dass das Gelände nach 1990 nicht einfach verschwand, sondern seit 1994 als Gedenkstätte zugänglich ist. Rundgänge werden bis heute häufig von Zeitzeugen und Historikern gemeinsam gestaltet, was den Berichten eine Unmittelbarkeit gibt, die kein Ausstellungstext ersetzen kann. Am 8. Juli 2026 besuchte das Präsidium des Bundestages die Gedenkstätte und nahm dort den Jahresbericht der SED-Opferbeauftragten Evelyn Zupke entgegen, die unter anderem regelmäßige finanzielle Hilfen für Opfer des staatlich verordneten Dopings in der DDR forderte – ein Hinweis darauf, dass die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit auch 37 Jahre nach dem Mauerfall nicht abgeschlossen ist.

Praktische Infos: Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen (Genslerstraße 66, 13055 Berlin) ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Rundgänge finden mehrmals täglich statt, teils in einfacher Sprache, teils mit taktilen und akustischen Elementen für blinde und sehbehinderte Besucher; wer die Zellentrakte sehen möchte, sollte eine der geführten Touren einplanen, da ein freier Rundgang die Hintergründe kaum erschließt. Der Eintritt kostet 9 Euro, ermäßigt 5 Euro, für Schüler und Studierende 2,50 Euro. Wer mit einem Schwerbehindertenausweis anreist, darf eine Begleitperson kostenfrei mitbringen.

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