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Technik Museum Sinsheim: Concorde, Tupolev und ein U-Boot mitten im Kraichgau

D-Sinsheim [SiSt24 Media] Ein Museum, in dem eine Concorde und ihre sowjetische Rivalin Tupolev Tu-144 Seite an Seite auf dem Dach stehen, gibt es weltweit genau einmal. Das Technik Museum Sinsheim im Kraichgau zwischen Mannheim und Heilbronn hat sich aus einer Vereinsidee von Technikbegeisterten zu einer der größten privat getragenen Fahrzeug- und Luftfahrtsammlungen Europas entwickelt. Wer hier ankommt, sieht schon vom Parkplatz aus zwei Überschalljets, die einst als politische Prestigeprojekte gegeneinander antraten und heute gemeinsam über Ausstellungshallen voller Oldtimer, Traktoren und Lokomotiven thronen.

Zwei Überschalljets, ein Wettlauf um die Zukunft

In den 1960er-Jahren lieferten sich Ost und West ein Wettrennen um das erste Überschall-Passagierflugzeug. Die sowjetische Tupolev Tu-144 gewann es formal: Sie hob am 31. Dezember 1968 zum Erstflug ab, einige Wochen vor der Concorde, und brachte ihr wegen der verblüffend ähnlichen Silhouette den Spitznamen „Concordski“ ein. Mit über 2.000 km/h und zeitweise bis zu 2.443 km/h war sie sogar schneller unterwegs als ihr westliches Pendant. Ab Dezember 1975 flog die Tu-144 zunächst Post und Fracht, der reguläre Passagierbetrieb wurde jedoch schon 1978 wegen technischer Probleme und hoher Kosten wieder eingestellt. Nach langwierigen Verhandlungen gelang es dem Museumsverein, ein Exemplar zu erwerben; seit 2001 steht es auf dem Museumsdach in Sinsheim.

Deutlich später, aber nicht weniger spektakulär, kam die Concorde F-BVFB nach Sinsheim: 2003 wurde sie nach 14.771 Flugstunden aus Paris eingeflogen und direkt neben ihre einstige Konkurrentin gestellt. Wer sie besucht, gelangt über die Passagierkabine bis ins Cockpit und blickt aus rund 30 Metern Höhe über das gesamte Museumsgelände. Sinsheim ist bis heute der einzige Ort der Welt, an dem beide je im Liniendienst geflogenen Überschall-Passagierjets gemeinsam zu besichtigen sind.

Von der Vereinsidee zum Museumsgiganten

Die Idee zum Museum entstand 1980 bei einem Treffen technikbegeisterter Sammler, im Mai 1981 öffnete das Auto & Technik Museum seine Tore. Aus einer überschaubaren Fahrzeugsammlung ist seither ein Gelände geworden, auf dem sich historische Automobile, Traktoren, Lokomotiven, Motorräder und Großexponate aus der Luft- und Raumfahrt drängen. Wer sich für die Ausstellungen Zeit nehmen will, sollte laut Museum drei bis vier Stunden einplanen – Technik- und Oldtimerfans verbringen hier gerne den ganzen Tag, ohne dass es langweilig würde.

Faszination Tuning: VW gegen Opel

Neben den historischen Fahrzeugen leistet sich das Museum auch Ausstellungen zum Anfassen. „Faszination Tuning – VW vs. Opel“ heißt eine aktuelle Sonderschau, die die jahrzehntelange Rivalität zweier deutscher Werkstattkulturen nachzeichnet: hier der VW Golf als Symbol der Youngtimer-Szene, dort der Opel Kadett GT/E mit seiner unverwechselbaren gelb-weißen Lackierung. Besonders bei jüngeren Besuchern beliebt sind lebensgroße Fahrzeugkulissen zum Hineinsetzen und Fotografieren – wer selbst hinterm Steuer eines Golf I oder Kadett posieren möchte, kommt hier auf seine Kosten, auch ganz ohne Führerschein für Oldtimer.

Ein U-Boot mitten im Kraichgau

Direkt neben den Flugzeughallen liegt seit Kurzem eines der ungewöhnlichsten Ausstellungsstücke des Museums: das U-Boot U17 der Bundesmarine, ausgemustert und für Besucher zugänglich gemacht. Wer durch die engen Luken klettert, bekommt einen Eindruck davon, wie 22 Mann monatelang auf engem Raum zusammenlebten – zwischen Torpedorohren, Maschinenraum und Kojen, die sich Besatzungsmitglieder im Schichtbetrieb teilten. Die Ausstellung zählt zu den aktuellen Neuzugängen des Museums und ist bei Führungen einer der meistgefragten Programmpunkte.

Praktische Infos: Das Technik Museum Sinsheim liegt am Museumsplatz 1 in 74889 Sinsheim, direkt an der A6, Ausfahrt Sinsheim-Süd (Nr. 33b). Geöffnet ist an 365 Tagen im Jahr, montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen von 9 bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet 25 Euro für Erwachsene und 20 Euro ermäßigt, eine Kombikarte mit dem hauseigenen IMAX-Kino gibt es für 30 beziehungsweise 25 Euro. Wer Concorde, Tupolev und U-Boot in Ruhe erleben will, sollte einen halben Tag einplanen – und bequeme Schuhe für die vielen Treppen und engen Gänge nicht vergessen.

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