12 Wochen Wiesn-Aufbau: Die Theresienwiese wird zur Feststadt

München (D) [SiSt24 Media] Aus Holz, Stahl und Tausenden Einzelteilen wächst auf der Münchner Theresienwiese eine Stadt auf Zeit. Zwölf Wochen arbeiten Zimmerer, Elektriker, Monteure und Schausteller an Festzelten, Fahrgeschäften und Versorgungsanlagen. Wenige Tage vor dem Anstich zeigt sich, wie viel Technik, Logistik und Handwerk hinter dem größten Volksfest der Welt stecken.


Wo Besucher später zwischen Festzelten, Fahrgeschäften und Buden unterwegs sind, bestimmen zunächst Baukräne, Lastwagen und Hubarbeitsbühnen das Bild. Innerhalb von zwölf Wochen verwandelt sich die Münchner Theresienwiese in eine vollständig ausgestattete Feststadt. Der Aufbau des Oktoberfests ist eine logistische Leistung, die während des Festbetriebs fast vollständig hinter bunten Fassaden verschwindet.

Ende Juni beginnt die Arbeit auf dem Gelände. Zimmerer errichten die Konstruktionen der großen Festzelte, Elektriker verlegen Leitungen, Monteure installieren Küchen, Schankanlagen, Beleuchtung und Sicherheitstechnik. Gleichzeitig bereiten weitere Unternehmen Wasser-, Gas- und Abwasserversorgung vor. Zahlreiche Gewerke müssen ihre Arbeit auf engem Raum und nach einem festen Zeitplan miteinander abstimmen.

Die Festzelte kommen zuerst

Den Anfang machen die großen Festzelte entlang der Wirtsbudenstraße. Ihre Dimensionen lassen sich während des späteren Betriebs leicht unterschätzen. Für den Aufbau eines einzigen Großzelts erreichen schätzungsweise 70 bis 100 Lastwagen die Theresienwiese. Allein aus den Festzeltlagern des Unternehmens Pletschacher rollen insgesamt mehr als 1.000 Fuhren nach München.

Zunächst entstehen die tragenden Konstruktionen. Danach folgen Dächer, Fassaden, Balkone und Innenausbau. In den Zelten werden Böden verlegt, Bühnen aufgebaut und Tausende Sitzplätze eingerichtet. Hinzu kommen Küchen, Kühlanlagen, Zapftechnik sowie kilometerlange Stromleitungen und zahlreiche Anschlüsse für Gas und Wasser.

Wenige Tage vor der Eröffnung ist der unterschiedliche Arbeitsstand noch sichtbar. Manche Festhallen wirken bereits bewirtungsbereit, während in anderen Zelten Handwerker Böden montieren oder die letzten Biertische verteilen. Im Hacker-Festzelt spannt sich der bekannte „Himmel der Bayern“ über Tischreihen, die kurz zuvor noch Teil einer Großbaustelle waren.

Riesenrad und Achterbahnen folgen später

Erst wenn die großen Zelte weitgehend stehen, treffen die Schausteller mit den Fahrgeschäften ein. Zunächst werden hohe Anlagen wie Riesenrad, Achterbahnen und Wasserfahrgeschäfte montiert. Danach folgen Autoscooter, Karussells, Geisterbahnen, Kettenflieger und weitere Attraktionen. Buden und kleinere Geschäfte schließen den Aufbau ab.

Das Zusammensetzen eines großen Fahrgeschäfts verlangt Präzision. Einzelne Bauteile erreichen die Festwiese auf mehreren Schwertransportern und werden nach einem genau festgelegten Ablauf montiert. Beim Olympia-Looping schließen sich nach und nach die charakteristischen Ringe, während am Riesenrad die Kabinen eingesetzt werden. Zwischen den Anlagen bewegen sich weiterhin Lieferfahrzeuge, Kräne und Arbeitsbühnen.

Bis kurz vor der Eröffnung bleibt die Theresienwiese deshalb eine Baustelle. Öffentliche Wege über das Gelände sind während dieser Phase eingeschränkt. Baustellenführungen ermöglichen zeitweise einen kontrollierten Blick hinter die Kulissen und führen teilweise auch in einzelne Festzelte.

Auch die Oide Wiesn entsteht neu

Im südlichen Teil der Theresienwiese wird parallel die Oide Wiesn aufgebaut. Sie geht auf die Historische Wiesn zurück, die zum 200-jährigen Jubiläum des Oktoberfests veranstaltet wurde. Das Konzept fand so viel Zuspruch, dass das traditionsreiche Areal seit 2011 regelmäßig zum Münchner Oktoberfest gehört.

Auf der Oidn Wiesn stehen historische Fahrgeschäfte, bayerische Musik, Trachten und die Geschichte der Schaustellerei im Mittelpunkt. Im Festzelt Tradition treten regionale und überregionale Trachten- und Brauchtumsgruppen auf. Tänzer, Plattler und Goaßlschnalzer wechseln einander auf den Tanzböden im Zelt und im Außenbereich ab.

Das Museumszelt zeigt historische Exponate, Fahrzeuge und Fahrgeschäfte aus der Welt der Schausteller. Kleine Musikkapellen begleiten das Programm mit bayerischer Tanzmusik. Auch das Münchner Marionettentheater gehört zum Angebot und richtet sich nicht allein an Kinder. Die Oide Wiesn bildet damit einen ruhigeren Gegenpol zu den großen Festhallen und modernen Fahrgeschäften des übrigen Geländes.

Eine Stadt mit eigener Infrastruktur

Das Oktoberfest besteht nicht nur aus sichtbaren Aufbauten. Unter und hinter den Festzelten entsteht eine umfangreiche technische Infrastruktur. Stromversorgung, Trinkwasserleitungen, Abwasseranschlüsse, Kühltechnik, Kommunikationssysteme und Brandschutzeinrichtungen müssen vor der Eröffnung vollständig funktionieren.

Kurz vor dem ersten Ausschank beginnen die abschließenden Prüfungen. Sachverständige kontrollieren Fahrgeschäfte und technische Anlagen, die Feuerwehr prüft Fluchtwege und Brandschutz. Erst nach den Abnahmen dürfen Zelte und Attraktionen ihren Betrieb aufnehmen.

Der Eintritt auf das eigentliche Oktoberfestgelände ist kostenlos. Für die eingezäunte Oide Wiesn wird Eintritt verlangt. Kinder bis 14 Jahre erhalten freien Zutritt, am späten Abend öffnet sich das historische Areal kostenlos für alle Besucher. Die Fahrten mit den historischen Attraktionen bleiben bewusst günstiger als viele moderne Großfahrgeschäfte.

Nach der Eröffnung erinnert kaum noch etwas an die monatelange Bauphase. Musik, Lichter und Besucherströme verdecken die technische Struktur hinter dem Volksfest. Doch jedes Festzelt, jede Leitung und jedes Fahrgeschäft muss zuvor angeliefert, montiert, angeschlossen und geprüft werden. Die Wiesn dauert nur wenige Wochen – ihre Errichtung beschäftigt München fast einen ganzen Sommer.

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