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München stellt sich selbst ins Museum

München (D) [SiSt24 Media] München gilt als sicher, wohlhabend und traditionsbewusst. Gleichzeitig steigen Mieten, Freiräume verschwinden und nicht alle Menschen fühlen sich im öffentlichen Raum gleichermaßen willkommen. Die Ausstellung „What the City. Perspektiven unserer Stadt“ bringt diese Widersprüche ins Münchner Stadtmuseum. In zehn Kapiteln zeigt sie keine abgeschlossene Stadtgeschichte, sondern unterschiedliche Blicke auf das München der Gegenwart.

Seit Januar 2024 ist der größte Teil des Münchner Stadtmuseums wegen der Generalsanierung geschlossen. Die Wiedereröffnung ist für 2031 vorgesehen. Während dieser langen Pause bleibt das Haus jedoch am St.-Jakobs-Platz präsent. Im Erdgeschoss des historischen Zeughauses läuft die Interimsausstellung „What the City“. Dafür wurde der frühere Zugang zum Platz wieder geöffnet und der Ausstellungsraum barrierefrei erschlossen.

Sieben Kuratorinnen und Kuratoren aus verschiedenen Sammlungsbereichen haben die Ausstellung entwickelt. Ihre zehn sogenannten Cities widmen sich jeweils einem Thema der Stadtgesellschaft. Es geht um Sicherheit und Armut, Gleichberechtigung, Tradition und Wachstum, aber auch um die schwierigen Lebensbedingungen von Kunstschaffenden in einer teuren Stadt. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit antirassistischen Bewegungen, der queeren Gemeinschaft, dem Umweltschutz und dem Wandel des Münchner Nachtlebens.

Dabei bleibt die Stadt kein abstrakter Gegenstand. Münchnerinnen und Münchner kommen selbst zu Wort. Persönliche Erfahrungen treffen auf historische Exponate, Interviews und aktuelle gesellschaftliche Konflikte. Die Ausstellung zeigt nicht nur, wie sich München verändert hat, sondern auch, wer diese Veränderungen gestaltet und wer dabei kaum gehört wird.

Besonders deutlich wird dieser Ansatz im Kapitel „Safe City“. München gilt als eine der sichersten Großstädte Deutschlands. Doch dieses Sicherheitsgefühl teilen längst nicht alle Menschen. Das Kapitel fragt, wer sich im öffentlichen Raum geschützt fühlt und wer dort Kontrolle oder Ausgrenzung erlebt. Dazu gehört auch der Umgang mit wohnungslosen Menschen, die aus sichtbaren Bereichen der Innenstadt verdrängt werden.

Andere Kapitel richten den Blick auf fehlenden Wohn- und Arbeitsraum. Gerade für Kunstschaffende wird ein eigenes Atelier zunehmend zum kaum bezahlbaren Luxus. Auch Clubs und andere Orte des Nachtlebens geraten unter wirtschaftlichen Druck. Dadurch verändert sich nicht nur das Angebot, sondern auch die kulturelle Identität der Stadt.

Das abschließende Kapitel „My City“ richtet den Blick in die Zukunft. Vorgestellt werden Menschen, die sich für ein demokratisches, vielfältiges, nachhaltiges oder friedliches München einsetzen. Die Präsentation bleibt dabei nicht unverändert. In regelmäßigen Abständen kommen neue Objekte hinzu, die persönliche Vorstellungen von einer lebenswerten Stadt verkörpern.

„What the City“ dient zugleich als Versuchsfeld für das Stadtmuseum nach der Sanierung. Besucherinnen und Besucher bleiben nicht auf die Rolle stiller Betrachter beschränkt. Interaktive Medien- und Mitmachstationen laden dazu ein, eigene Erfahrungen und Sichtweisen einzubringen. Einige Stationen lassen sich ertasten und damit auch von blinden oder sehbehinderten Menschen selbstständig nutzen.

Eine kostenlose Web-App ergänzt die Ausstellung. Sie bietet weiterführende Inhalte auf Deutsch und Englisch, Videos in Deutscher Gebärdensprache sowie eine Audiospur mit Beschreibungen und Hinweisen zur Orientierung. Wandtexte in Einfacher Sprache erleichtern zusätzlich den Zugang zu den einzelnen Themen.

Die Ausstellung „What the City. Perspektiven unserer Stadt“ ist bis zum 18. April 2027 im historischen Zeughaus am St.-Jakobs-Platz zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Auch das Filmmuseum setzt sein wechselndes Kinoprogramm während der Schließzeit des Stadtmuseums fort.

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