Lenbachhaus München: Die Villa, die zum Zuhause des Blauen Reiters wurde
Wer die Prinzregentenstraße in München entlangschlendert, stößt unweigerlich auf einen ockergelben Palazzo im toskanischen Stil – das Lenbachhaus. Was einst als Wohnsitz eines gefeierten Malerfürsten diente, beherbergt heute die weltweit bedeutendste Sammlung des Blauen Reiter. Und die Geschichte, wie diese Sammlung hierher gelangte, ist mindestens so dramatisch wie die Kunst selbst.
Eine Villa für einen Malerfürsten
Franz von Lenbach war zu Lebzeiten der bestbezahlte und gefeiertste Porträtmaler Deutschlands, ein Malerfürst im wörtlichen Sinne. 1887 beauftragte er den Architekten Gabriel von Seidl mit dem Bau einer standesgemäßen Residenz an der Prinzregentenstraße. Drei Jahre später, 1890, war die Villa im Stil einer toskanischen Landvilla fertiggestellt, mit ockerfarbener Fassade, Rundbogenfenstern und einem von Max Kolb gestalteten Garten.



Im Inneren diente das Haus zugleich als Wohnsitz und Atelier, umgeben von Arkadengängen und einem stillen Innenhof, der bis heute an italienische Vorbilder erinnert. Lenbach selbst inszenierte sich hier als Gastgeber der Münchner Gesellschaft – Kaiser, Fürsten und Künstlerkollegen gingen in seiner Villa ein und aus.
Vom Wohnhaus zum Museum
Nach Lenbachs Tod 1904 blieb seine Witwe Lolo von Lenbach zunächst im Haus wohnen. 1924 verkaufte sie die Villa auf Betreiben des Münchner Bürgermeisters Dr. Küfner an die Stadt – und stiftete im selben Zug die komplette Lenbach-Sammlung sowie die Einrichtung der Repräsentationsräume zum bleibenden Andenken an ihren Mann.
1927 bis 1929 wurde ein Galerietrakt für die Städtische Gemäldegalerie angebaut. Am 1. Mai 1929 öffnete die Städtische Galerie im Lenbachhaus erstmals ihre Türen für das Publikum – aus der privaten Malerresidenz war ein städtisches Museum geworden.


Gabriele Münters Geschenk
Den eigentlichen Weltrang verdankt das Lenbachhaus jedoch nicht Franz von Lenbach, sondern einer Malerin: Gabriele Münter. Zu ihrem 80. Geburtstag 1957 schenkte sie dem Haus ihre private Sammlung – rund 90 Ölgemälde, über 330 Aquarelle, zahlreiche Skizzenbücher und nahezu das gesamte grafische Werk Wassily Kandinskys, dazu Arbeiten von Franz Marc, Paul Klee und August Macke.



Diese Schenkung hatte eine dramatische Vorgeschichte: Während der NS-Zeit hatte Münter die als ‚entartet‘ gebrandmarkten Werke im Keller ihres Hauses in Murnau versteckt und so über Jahre vor Beschlagnahmung und Vernichtung bewahrt. Erst mit ihrem Geschenk wurde das Lenbachhaus zum weltweit bedeutendsten Ort für die Erforschung des Blauen Reiter.


Das Lenbachhaus heute
2013 eröffnete das Haus nach einer Erweiterung durch den britischen Stararchitekten Sir Norman Foster neu – ein messingverkleideter Kubus für rund 56,5 Millionen Euro, der sich um die historische Villa legt. Foster kennt man in diesen Presseartikeln übrigens schon von woanders: Auch das Red Dot Design Museum in der Zeche Zollverein trägt seine Handschrift – der Mann kommt offenbar rum.



Heute zeigt das Lenbachhaus neben der ständigen Sammlung – von Kandinsky über Marc bis Münter – auch wechselnde Sonderausstellungen zum Blauen Reiter und zeitgenössischer Kunst. Es zählt damit zu den meistbesuchten Museen Münchens.
Praktische Infos: Das Lenbachhaus liegt an der Luisenstraße 33, direkt am Königsplatz und nur wenige Schritte von der gleichnamigen U-Bahn-Station entfernt. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr; montags bleibt das Haus geschlossen. Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 6 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Am ersten Donnerstag im Monat ist der Besuch von 18 bis 20 Uhr kostenlos. Der Kunstbau am Königsplatz bleibt 2026 wegen energetischer Sanierung geschlossen.
