Grube Messel: Nach dem TV-Auftritt jetzt selbst zur Schaufel greifen

Erst zeigte „Weltwunder in Hessen“ die Grube Messel im Fernsehen, jetzt kann man das UNESCO-Weltnaturerbe live besuchen und dort sogar selbst nach Fossilien graben. Am 2. August ist der Eintritt beim Grubenfest komplett frei.

Messel (SiSt24) Die Grube Messel ist eine von nur drei Weltnaturerbestätten, die Deutschland überhaupt vorzuweisen hat, neben dem Wattenmeer und den Alten Buchenwäldern Deutschlands. Was hier vor 47 Millionen Jahren entstand, findet sich in dieser Qualität an keinem anderen Ort der Welt. Nach der Maarexplosion füllte sich der Krater mit Wasser zu einem sogenannten meromiktischen See: Die warme Oberfläche vermischte sich nie mit der Tiefe, dort unten herrschte dauerhaft Sauerstoffmangel. Genau das rettete die Fossilien vor der Verwesung, während Aasfresser und Bakterien draußen blieben.

Wie die Tiere überhaupt in den See gelangten, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Eine Theorie geht von Kohlendioxid aus, das in Schüben aus dem Vulkanschlot aufstieg, Landtiere am Ufer betäubte und sie ins Wasser stürzen ließ. Eine andere macht Cyanobakterien verantwortlich, die den See in Blütenphasen vergifteten und trinkende Tiere lähmten. Beide Theorien erklären, warum so viele eigentlich landlebende Arten vollständig erhalten im See endeten.

Das Ergebnis ist eine der bedeutendsten Fossilfundstätten der Welt: Die Urpferdchen Eurohippus messelensis, der Kranichvogel Messelornis cristata, die Riesenameise Titanomyrma gigantea und das Urzeitprimat Ida, wissenschaftlich Darwinius masillae, ein rund 58 Zentimeter großes Jungtier, stammen alle von hier. Bei manchen Insekten blieb sogar die ursprüngliche, schillernde Flügelfarbe erhalten, ein Detail, das sonst nirgends die Jahrmillionen überdauert.

Die ARD-Doku „Weltwunder in Hessen“ hat der Grube Messel gerade wieder ein größeres Publikum verschafft. Vor Ort zeigt sich schnell, warum: Vor 47 Millionen Jahren lag hier ein Kratersee mitten im tropischen Odenwald. Was hineinfiel, sank auf den sauerstoffarmen Grund und blieb erhalten, bis heute so vollständig, dass sich an manchen Fossilien noch der letzte Mageninhalt bestimmen lässt. Seit 1995 steht die Grube deshalb zurecht auf der UNESCO-Welterbeliste.

Dass es sie überhaupt noch gibt, ist keine Selbstverständlichkeit: In den 1970er- und 80er-Jahren sollte der ehemalige Ölschiefer-Tagebau zur Mülldeponie werden. Erst jahrelanger Widerstand aus der Bevölkerung verhinderte das, 1991 kaufte das Land Hessen die Fläche.

Im Besucherzentrum erzählt die Ausstellung diese Geschichte, ergänzt um Originalfossilien und die Sonderschau „MESSEL 30+“. Der Zugang zur Grube selbst ist nur mit Führung möglich, festes Schuhwerk Pflicht. Der Außenbereich mit Waldkunstpfad, Spielplatz und Aussichtspunkt ist frei zugänglich.

Wer selbst graben will, muss dafür nicht Geologie studiert haben: Bei GRAB’MAL spalten Kinder ab sechs Jahren und Erwachsene unter Anleitung echten Ölschiefer und suchen nach Fossilien, die anschließend unter dem Mikroskop bestimmt werden. Die rund 45-minütige Grabung kostet 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro, Kinder unter sechs Jahren sind in Begleitung frei. Bis zum 18. Oktober wird donnerstags, samstags und sonntags gegraben, in den Schulferien zusätzlich dienstags, maximal zehn Personen pro Termin, Anmeldung unter +49 (0) 6159 71759-0 empfohlen.

Einen Anlass für den ersten Besuch liefert der 2. August: Beim vierten Messeler Grubenfest (10-17 Uhr) sind Museum und gesamtes Programm kostenfrei, mit Mitmachständen, Führungen, einem Vortrag zur Rettungsgeschichte und einer Filmvorführung. Wegen begrenzter Parkplätze empfiehlt sich Anreise mit Bus, Bahn oder Rad.

Öffnungszeiten: 15.3.-15.11. täglich 10-17 Uhr, sonst Mi-So 10-17 Uhr. Eintritt: Erwachsene 7 €, ermäßigt 5 €, Familien 17 €. Adresse: Welterbe Grube Messel gGmbH, Roßdörfer Str. 108, 64409 Messel.

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