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Stift Melk: über 200 m und 900 Jahre vorbei – Geschichte zwischen Museum & Barockkirche

A-Wien [SiSt24 Media] Hoch über der Donau ist das Stift Melk schon von weitem kaum zu übersehen. Doch die eigentliche Überraschung wartet hinter der barocken Fassade. Das Stiftsmuseum führt durch fast 900 Jahre Klostergeschichte, ein rund 200 Meter langer Kaisergang verbindet dabei Vergangenheit und Gegenwart. Über Marmorsaal, Altane und Bibliothek führt der Rundgang schließlich in einen Raum, der mit Zurückhaltung nun wirklich nichts am Hut hat: die prachtvolle Stiftskirche.

Seit 1089 über der Donau

Wer von Westen in Richtung Wien fährt, bekommt das Stift Melk praktisch auf dem Präsentierteller serviert. Die mächtige Klosteranlage thront auf einem Felsen über der Donau und markiert zugleich den westlichen Zugang zur Wachau. Was von unten wie ein gewaltiger barocker Palast wirkt, ist allerdings kein museales Denkmal mit angeschlossenem Souvenirshop.

Seit dem 21. März 1089 leben Benediktinermönche in Melk. Markgraf Leopold II. übergab damals Burg und Kirche an Benediktiner aus Lambach. Über die folgenden Jahrhunderte entwickelte sich daraus eines der bedeutendsten Klöster Österreichs.

Seine heutige Erscheinung verdankt das Stift vor allem dem großen barocken Neubau unter Abt Berthold Dietmayr. Ab 1702 entstand nach Plänen Jakob Prandtauers jene monumentale Anlage, die heute das Stadtbild von Melk beherrscht.

Wer das Stift besucht, erlebt allerdings weit mehr als Barockarchitektur. Hinter der Kaiserstiege beginnt ein Museumsrundgang, der die Geschichte des Hauses von seinen mittelalterlichen Wurzeln bis zum heutigen Klosterleben erzählt.

200 Meter durch fast 900 Jahre Geschichte

Schon der Weg zum Museum vermittelt die Dimensionen des Stifts. Hinter der Kaiserstiege beginnt der rund 200 Meter lange Kaisergang, der sich fast über die gesamte Südfront der Anlage erstreckt. An ihm liegen die ehemaligen Kaiserzimmer. Einst dienten sie der Unterbringung hochrangiger Gäste, heute beherbergen sie das Stiftsmuseum.

Für den Museumsrundgang bekommt der lange Flur damit eine zweite Bedeutung. Er verbindet nicht nur die einzelnen Räume, sondern wirkt beinahe selbst wie ein Zeitstrahl. Tür für Tür öffnet sich ein anderes Kapitel der Geschichte. Mittelalterliches Benediktinerkloster, barocke Neugestaltung und Gegenwart liegen plötzlich nur wenige Schritte auseinander.

Die Ausstellung trägt den passenden Titel „Vom Gestern ins Heute“. Statt Besucher mit einer endlosen chronologischen Reihe von Äbten, Jahreszahlen und kirchengeschichtlichen Fußnoten mürbe zu machen, widmen sich die einzelnen Räume bestimmten Themen.

Der Kaisergang wird dabei zum roten Faden durch die Jahrhunderte. Links und rechts öffnen sich die ehemaligen Kaiserzimmer mit Kunstwerken und historischen Zeugnissen, während der Besucher selbst auf einer nahezu geraden Linie durch die Geschichte des Hauses läuft. Selten lässt sich ein Museumsrundgang so wörtlich als Gang durch die Zeit verstehen.

Vom heiligen Benedikt bis in die Gegenwart

Die Ausstellung beginnt beim heiligen Benedikt und der Entstehung des Benediktinerordens. Weitere Räume beschäftigen sich mit den Babenbergern, dem heiligen Koloman und der Gründung des Klosters, mit Romanik und Gotik sowie schließlich mit dem barocken Lebensgefühl und der großen Umgestaltung der Anlage.

Auch Josephinismus, Wirtschaft, Schule und das heutige Leben im Kloster gehören zur Ausstellung. Gerade diese Mischung funktioniert, denn Stift Melk ist kein aufgegebenes Kloster, dessen historische Räume irgendwann nachträglich mit Vitrinen gefüllt wurden. Die Benediktinergemeinschaft besteht bis heute.

Zu den herausragenden Kunstwerken des Museums gehört der Melker Altar von 1502, geschaffen von Jörg Breu dem Älteren. Modelle zeigen gleichzeitig, wie stark sich die Klosteranlage über die Jahrhunderte verändert hat.

So entsteht keine reine Sammlung kirchlicher Kunst. Das Museum erklärt vielmehr, wie aus einer mittelalterlichen Klostergemeinschaft jene Institution und Anlage wurde, durch die Besucher heute gehen.

Vom Museum in den Marmorsaal

Nach den ehemaligen Kaiserzimmern verändert sich der Charakter des Rundgangs. Auf die vergleichsweise konzentrierte Museumsatmosphäre folgt der Marmorsaal, einer der repräsentativen Höhepunkte des Stifts.

Der Saal diente einst dem Empfang und der Bewirtung weltlicher Gäste. Schon seine Ausstattung macht deutlich, dass Bescheidenheit bei solchen Anlässen offenbar nicht zu den dringendsten Anforderungen des österreichischen Barock gehörte.

Vom Marmorsaal führt der Rundgang auf die Altane. Zwischen den beiden mächtigen Gebäudeteilen öffnet sich hier der Blick über Melk, die Donau und die Landschaft der Wachau. Gleichzeitig bekommt man einen Eindruck von den gewaltigen Dimensionen der Klosteranlage.

Spätestens hier lohnt es sich, Kunstgeschichte und Jahreszahlen für einige Minuten Kunstgeschichte und Jahreszahlen sein zu lassen und einfach über das Geländer zu schauen.

Danach wartet bereits der nächste Höhepunkt: die Stiftsbibliothek.

130.000 Bücher und eine Restaurierung bis 2032

Die Bibliothek gehört zu den bekanntesten Räumen des Stifts. Ihr Bestand umfasst rund 130.000 Bände, darunter etwa 1.800 Handschriften und 750 Inkunabeln. Damit ist sie weit mehr als eine barocke Kulisse für Besucher.

Seit Januar 2026 befindet sich dieser Bereich mitten in einem umfangreichen Restaurierungsprojekt. Die Arbeiten sind Teil einer langfristigen Sanierung, die bis 2032 vorgesehen ist. Restauriert werden unter anderem Wand- und Deckengemälde, historische Holzregale, vergoldete Elemente sowie Teile des wertvollen Buchbestandes.

Für Besucher bedeutet das erfreulicherweise nicht, vor verschlossenen Türen zu stehen. Die Bibliothek bleibt während der Arbeiten zugänglich. Teile der Bestände wurden ausgelagert, historische Bücher bleiben in den Schauräumen sichtbar.

Damit bietet sich derzeit sogar eine zusätzliche Perspektive: Man sieht nicht nur einen rund 300 Jahre alten Prunkraum, sondern bekommt zumindest einen Eindruck davon, welcher Aufwand nötig ist, ein solches Gesamtkunstwerk zu erhalten. Denkmalpflege besteht eben aus etwas mehr, als gelegentlich mit einem Staubwedel durchzugehen.

Dann kommt die Stiftskirche

Wer nach Museum, Marmorsaal, Altane und Bibliothek glaubt, die barocke Steigerung müsse langsam ausgereizt sein, hat die Stiftskirche noch nicht gesehen.

Sie ist keine dekorative Zugabe zum Museumsrundgang, sondern der wichtigste Raum des Benediktinerklosters. Ursprünglich sollte die bestehende Kirche lediglich barockisiert werden. Stattdessen entstand unter Abt Berthold Dietmayr ein vollständiger Neubau nach Plänen Jakob Prandtauers.

Für die Ausstattung wurden einige der bedeutendsten Künstler ihrer Zeit verpflichtet. Antonio Beduzzi war an der Gestaltung des Innenraums beteiligt, Johann Michael Rottmayr schuf Fresken und Altarbilder, Paul Troger weitere Altarbilder. Giuseppe Galli-Bibiena lieferte Entwürfe für Kanzel und Hochaltar, Lorenzo Mattielli für Skulpturen.

Das Ergebnis ist kein Raum für Freunde gestalterischer Zurückhaltung.

Marmor, Gold, Stuck, Skulpturen, Fresken und Altäre konkurrieren um die Aufmerksamkeit, ohne dass die Kirche in einzelne Schaustücke zerfällt. Nach den Museumsräumen ändert sich damit die Perspektive vollständig. Dort wurde die Geschichte des Klosters erklärt, hier steht der Besucher plötzlich mitten in jener barocken Gedanken- und Bilderwelt, über die er wenige Minuten zuvor noch gelesen hat.

Mehr als eine barocke Sehenswürdigkeit

Bei all der prachtvollen Ausstattung lässt sich leicht vergessen, dass die Stiftskirche kein Museumssaal ist. Sie erfüllt bis heute ihre ursprüngliche religiöse Funktion und bildet den geistlichen Mittelpunkt des Klosters.

Auch die Dramaturgie der Anlage folgt diesem Gedanken. Kaiserstiege, Kaisergang, Museum, Marmorsaal, Altane und Bibliothek führen den Besucher schließlich zur Kirche. Der Rundgang endet damit nicht zufällig an seinem prächtigsten Punkt.

Im linken Seitenaltar des Querschiffs befinden sich zudem die Gebeine des heiligen Koloman. Seine Geschichte ist bereits mit Melk verbunden, bevor 1089 die Benediktiner hier einzogen. Damit treffen in der Kirche unterschiedliche Zeitschichten unmittelbar aufeinander.

Gerade diese Verbindung macht den Besuch interessant. Man betrachtet nicht zuerst ein Museum und anschließend zufällig noch eine schöne Kirche. Das Museum liefert den historischen Hintergrund für einen Raum, in dem viele dieser Entwicklungen anschließend sichtbar werden.

Für Stift Melk sollte man Zeit mitbringen

Wer Stift Melk lediglich als kurzen Fotostopp auf dem Weg durch die Wachau einplant, bekommt immerhin eine beeindruckende Außenansicht. Für die eigentliche Anlage ist das allerdings deutlich zu wenig.

Der klassische Rundgang führt über Kaiserstiege und Kaisergang durch das Stiftsmuseum, anschließend in den Marmorsaal, auf die Altane, durch die Bibliothek und schließlich in die Stiftskirche. Nordbastei, Sonderausstellungen und während der Saison der Stiftspark erweitern den Besuch zusätzlich.

Das Stift empfiehlt für einen ausführlichen Besuch rund zweieinhalb Stunden. Die klassischen Führungen durch das Stift dauern etwa 50 Minuten, die Stiftskirche wird anschließend individuell besichtigt.

Wer sich für Geschichte, Architektur und Museen interessiert, kann allerdings problemlos länger bleiben. Gerade das Stiftsmuseum verdient mehr Aufmerksamkeit, als ihm Besucher auf einer schnellen Wachau-Rundfahrt häufig zugestehen.

Von fast 900 Jahren Klostergeschichte über einen 200 Meter langen Kaisergang bis zu einer Barockkirche, bei der praktisch jede freie Fläche irgendwann beschlossen hat, noch etwas Gold vertragen zu können, liefert Stift Melk genügend Gründe, die Weiterfahrt nach Wien ein wenig nach hinten zu verschieben.

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