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Automechanika 2026 Frankfurt am Main: Im Ton vergriffen – ein Erfolg auf Zeit

Frankfurt/Main (D) [SiSt24 Media] Die offiziellen Zahlen liefern der Messe Frankfurt allen Grund zur Zufriedenheit. Mehr als 112.000 Fachbesucher aus 173 Ländern kamen zur Automechanika. Zwei Jahre zuvor waren es exakt 104.750 gewesen. Rund 4.400 Aussteller aus 80 Ländern füllten die Hallen und das Freigelände. 70 Prozent der Besucher reisten aus dem Ausland an. Die Automechanika bestätigt damit ihren Rang als internationaler Treffpunkt des Automotive Aftermarkets.

Auch die Befragungen fallen positiv aus. Nach Angaben des Veranstalters zeigten sich 96 Prozent der Besucher mit ihrem Messebesuch zufrieden. 89 Prozent wollen die Veranstaltung weiterempfehlen. Auf Ausstellerseite erklärten 90 Prozent, bei der nächsten Ausgabe wieder dabei sein zu wollen.

Diese Zahl klingt stärker, als sie tatsächlich ist. Eine Rückkehrabsicht ist keine Bestellung, kein Umsatz und keine Garantie für das wirtschaftliche Überleben eines Unternehmens. Entscheidend ist nicht, wie viele Aussteller in einer Befragung ein Kreuz bei „Wir kommen wieder“ setzen. Entscheidend ist, wie viele von ihnen bis zur nächsten Messe noch existieren, weil Werkstätten, Teilehändler und andere Kunden ihre Produkte tatsächlich gekauft haben.

Genau dazu enthält der Schlussbericht keine Angaben. Er nennt Besucher, Länder, Zufriedenheit und Wiederkehrabsichten, aber keine abgeschlossenen Geschäfte. Eine ausgebuchte Messe kann wirtschaftlich erfolgreich sein, ohne jedem Aussteller einen wirtschaftlichen Erfolg zu bringen.

Zwischen Weltmesse und asiatischem Warenangebot

Internationalität gehört zur Automechanika. Ohne Hersteller und Zulieferer aus Asien bildet eine weltweite Aftermarket-Messe den Markt nicht mehr realistisch ab. Trotzdem fiel das Verhältnis auf. In mehreren Hallenbereichen reihten sich Anbieter aus China und weiteren asiatischen Staaten dicht aneinander.

Die Messe nennt 80 Ausstellerländer, veröffentlicht in ihrer Bilanz aber keine genaue Aufteilung nach Herkunft. Eine belastbare Prozentzahl lässt sich daraus nicht ableiten. Der Eindruck vor Ort bleibt dennoch eindeutig: Ein erheblicher Teil des Angebots stammte von asiatischen Unternehmen und Marken, die vielen deutschen Werkstattbetrieben kaum bekannt sind.

Das allein macht ein Produkt weder gut noch schlecht. Die Herkunft sagt nichts über Qualität, Sicherheit oder Haltbarkeit aus. Für eine Werkstatt reicht ein attraktives Produkt am Messestand jedoch nicht. Sie benötigt nachvollziehbare technische Daten, gesicherte Lieferketten, Ersatzteilversorgung, deutschsprachige Dokumentationen, erreichbare Ansprechpartner und Unterstützung bei Problemen.

Wo unbekannte Unternehmen austauschbar wirkende Produkte präsentieren, bleiben diese Fragen häufig offen. Ein günstiges Diagnosegerät, Werkzeug oder Bauteil nutzt wenig, wenn später Softwareupdates, technische Informationen, Gewährleistungsabwicklung oder Ersatzkomponenten fehlen. Masse füllt Hallen, schafft aber nicht automatisch Vertrauen.

Damit wächst die Gefahr, dass sich die Ausstellerstatistik von den Bedürfnissen der eigentlichen Zielgruppe entfernt. Eine Werkstatt besucht keine Fachmesse, um möglichst viele Firmenlogos zu zählen. Sie sucht Lösungen, die sich am nächsten Arbeitstag einsetzen lassen.

Der fachliche Kern ist vorhanden

Dabei zeigte die Automechanika durchaus, was sie als Werkstattmesse leisten kann. Euro 7 bringt erstmals verbindliche Grenzwerte für Partikel aus Bremsen. Für neue Pkw-Typgenehmigungen greifen die Vorgaben ab Ende November 2026, für neu zugelassene Fahrzeuge ein Jahr später.

Hersteller und Zulieferer arbeiten deshalb an veränderten Belägen, beschichteten Bremsscheiben und geeigneten Prüfverfahren. Für Werkstätten, Teilehandel und Sachverständige entsteht daraus ein neues technisches Arbeitsgebiet. Bremsstaub ist kein abstraktes Umweltthema mehr, sondern eine messbare Größe mit unmittelbaren Folgen für Entwicklung, Reparatur und Begutachtung.

Auch Fahrerassistenzsysteme, Diagnose, Fahrzeugdaten, künstliche Intelligenz und Cybersicherheit waren präsent. Mehr als 500 Veranstaltungen, Vorträge und Workshops begleiteten die Ausstellung. Dort lag die eigentliche Stärke der Automechanika: Neue Vorschriften und technische Entwicklungen wurden in praktische Anforderungen für Werkstätten übersetzt.

Diese Inhalte erzeugen weniger spektakuläre Bilder als ein qualmender Reifen oder ein aufheulender Motor. Für die Zukunft der Branche sind sie deutlich wichtiger.

Draußen dominierte der Lärm

Auf dem Freigelände setzte die Veranstaltung andere Schwerpunkte. Eine rund 200 Meter lange Boxengasse, Motorstarts, Demonstrationsfahrten, Offroad-Fahrzeuge und ein Erlebnisareal sollten Emotionen erzeugen. Auffällig inszenierte und aufgerüstete Fahrzeuge standen in langen Reihen.

Motorsport und Fahrzeugveredelung gehören zur Automobilwelt. Auch ein Unimog im Gelände ist auf einer technischen Messe nicht fehl am Platz. Das Problem beginnt dort, wo diese Inszenierung die fachlichen Inhalte übertönt.

Vor lauter Motoraufheulen hat Frankfurt den Knall erneut nicht gehört. Die IAA verließ die Stadt nach ihrer letzten Ausgabe am Main. München hat sich die Automesse mindestens bis 2031 gesichert. Frankfurt verfügt mit der Automechanika weiterhin über eine automobile Leitmesse von internationalem Rang. Gerade deshalb muss die Stadt sorgsam mit ihr umgehen.

Wer den öffentlichen Eindruck der Veranstaltung zunehmend mit Driftshows, Motorstarts und Protzkarren prägt, zieht ein Publikum an, das Fahrzeuge filmt, aber keine Werkstattausrüstung bestellt. Das bringt Reichweite in sozialen Netzwerken. Den Ausstellern hilft diese Reichweite nur, wenn daraus Fachkontakte und Aufträge entstehen.

Bemerkenswert ist, dass die Messegesellschaft ihre Freigeländeattraktionen selbst prominent in der Schlussbilanz nennt. Motorstarts und Boxengasse erscheinen dort neben Ausstellerzahlen, Besucherzufriedenheit und Innovationen als Belege für den Erfolg. Damit zeigt der Veranstalter, welchen Stellenwert das Spektakel inzwischen besitzt.

Elektromobilität im Schafspelz

Die Automechanika zeigte auch Elektromobilität, alternative Antriebe und digitale Fahrzeugtechnik. HighTech4Mobility brachte Softwareunternehmen, Start-ups sowie Vertreter aus Werkstatt, Handel und Industrie zusammen. Themen waren Fahrzeugdaten, künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und neue Geschäftsmodelle.

Im Future Mobility Park präsentierten vier von insgesamt neun beteiligten Hochschulen selbst entwickelte Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Solche Projekte sind sinnvoll. Sie machen technische Entwicklungen greifbar und bringen Nachwuchs mit Industrie und Handwerk zusammen.

Trotzdem wirkte die Elektromobilität über weite Strecken wie ein Schafspelz, den sich die Messe überzieht. Einige Zukunftsflächen ändern nichts daran, dass elektrische Themen im Gesamtbild noch immer wie abgegrenzte Inseln erscheinen.

Hochvoltsicherheit, Batteriediagnose, Reparaturverfahren, Zellbewertung, Ladehardware, Thermomanagement und die Qualifizierung des Werkstattpersonals gehören nicht an den Rand einer modernen Aftermarket-Messe. Sie gehören mitten in die Hallen und durch alle Produktgruppen hindurch.

Die Werkstatt der Zukunft unterscheidet nicht mehr zwischen einer klassischen und einer elektrischen Themenwelt. Sie muss beide beherrschen. Eine Leitmesse muss diese Realität in ihrer gesamten Struktur abbilden. Ein paar Elektrofahrzeuge, Hochschulprojekte und Vorträge reichen dafür nicht.

Der Nachwuchs braucht mehr als Entertainment

Positiv entwickelte sich das Nachwuchsformat AMBITION. Mehr als 4.600 Schüler, Auszubildende und Studierende erhielten Einblicke in Berufe und Entwicklungsmöglichkeiten der Automobilbranche. Vorträge, Workshops und Gespräche mit Unternehmen können jungen Menschen zeigen, dass moderne Fahrzeugtechnik weit über den klassischen Ölwechsel hinausgeht.

Entertainment erleichtert den Zugang. Es darf jedoch nicht die Botschaft bestimmen. Die Branche benötigt Fachkräfte für Diagnose, Software, Hochvoltsysteme, Fahrerassistenz, Karosseriearbeiten und komplexe Reparaturen. Wer Nachwuchs nur mit lauten Fahrzeugen und Bühnenshows anspricht, zeichnet ein veraltetes Bild des Berufs.

Die Attraktivität des Kfz-Handwerks entsteht nicht allein durch Emotion. Sie entsteht auch durch anspruchsvolle Technik, sichere Arbeitsplätze, Weiterbildung und realistische berufliche Perspektiven.

Frankfurt darf den zweiten Knall nicht überhören

Die Automechanika ist nicht gescheitert. Im Gegenteil: Besucherzahl, internationale Reichweite und Zufriedenheitswerte zeigen eine erfolgreiche Veranstaltung. Genau dieser Erfolg birgt die Gefahr, berechtigte Kritik zu überdecken.

Volle Hallen sagen wenig darüber aus, ob Werkstätten die passenden Produkte fanden. Eine hohe Zahl internationaler Aussteller belegt noch keine funktionierende Ersatzteilversorgung. Eine erklärte Wiederkehrabsicht sagt nichts darüber aus, wie viele dieser Unternehmen bei der nächsten Ausgabe wirtschaftlich noch handlungsfähig sind.

Frankfurt braucht keine zweite Tuningveranstaltung und keinen internationalen Importwarenmarkt mit angeschlossener Motorenshow. Die Stadt braucht die stärkste Werkstattmesse der Welt: technisch anspruchsvoll, nah an den Betrieben und offen für die Veränderungen der Mobilität.

Euro 7, Fahrzeugdaten, Ersatzteilversorgung, Hochvoltsicherheit und Qualifizierung müssen das Bild dieser Messe bestimmen. Wer stattdessen Besucher mit Protzkarren und Motorenlärm einfängt, hört vor lauter Aufheulen auch den nächsten wirtschaftlichen Knall nicht.

QUELLE

Messe Frankfurt, Schlussbericht zur Automechanika Frankfurt 2026:
https://automechanika.messefrankfurt.com/frankfurt/de/presse/press-releases/2026/schlussbericht-2026.html

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