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Ludwig I. wollte anonym bleiben, jetzt zeigt jeder auf sein Grab

Am 12. Oktober 1835 legte König Ludwig I. den Grundstein für eine neue Klosterkirche im Herzen Münchens, ausgerechnet an seinem silbernen Hochzeitstag mit Königin Therese. Die Basilika St. Bonifaz, errichtet von 1835 bis 1850 nach Plänen von Georg Friedrich Ziebland im neubyzantinischen Stil, sollte an das frühchristliche Vorbild von San Paolo fuori le Mura in Rom erinnern. Über dem Eingang steht bis heute die lateinische Inschrift, die keinen Zweifel daran lässt, wer hier gebaut hat: „Ludovicus I Bavariae Rex, in honorem Sancti Bonifacii Germanorum apostoli hanc basilicam ecclesiam condidit, fundamenta posuit anno domini MDCCCXXXV, die XII mensis Octobris.“

Ludwig I. bestimmte St. Bonifaz noch zu Lebzeiten als seine letzte Ruhestätte. Als er am 29. Februar 1868 starb, wurde er wenige Tage später, am 9. März, im rechten Seitenschiff neben Königin Therese beigesetzt. Zunächst stand kein Name auf dem Sarkophag, so hatte er es sich gewünscht, und begraben wurde er in seiner bayerisch-blauen Generalsuniform statt in königlichem Ornat. Von einem König, der wegen einer Affäre mit der Tänzerin Lola Montez 1848 zur Abdankung gezwungen wurde, hätte man vielleicht mehr Pomp erwartet. Er wählte das Gegenteil.

Der Zweite Weltkrieg war weniger rücksichtsvoll mit seinem Bauwerk. Am 25. April 1944 und am 7. Januar 1945 wurde die Kirche schwer getroffen, direkt südlich des Königsplatzes gelegen, mitten im Bombenkorridor. Der Architekt Hans Döllgast baute zwischen 1945 und 1950 nur einen Teil wieder auf, das Kirchenschiff schrumpfte dabei auf etwa ein Drittel seiner ursprünglichen Länge. Was heute steht, ist also nicht Zieblands Original, sondern Döllgasts Kompromiss mit den Trümmern.

Wer die Basilika betritt, findet trotzdem noch Grandezza, hohe Säulen, ein Orgelwerk, das bis unter die Decke reicht. Und im Seitenschiff liegt der König, der sich Anonymität wünschte und heute doch zu den meistbesuchten Gräbern Münchens gehört. Manche Pläne funktionieren einfach nicht so, wie man sie sich vorgestellt hat.

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