Die Alte Utting: München hat jetzt einen Hafen ohne Wasser
D-München [SiSt24 Media] Wer in München ein Schiff sucht, muss nicht ans Meer fahren. Er muss zur stillgelegten Eisenbahnbrücke am Großmarkt in Sendling. Dort liegt die MS Utting, seit 2018 bekannt als „Alte Utting“, und sie wird nie wieder schwimmen. Das ist kein Beinbruch, das ist das ganze Konzept.



1949 lief das Schiff bei der Deggendorfer Werft vom Stapel, 36,4 Meter lang, Platz für 400 Fahrgäste. Fast siebzig Jahre lang schipperte es Ausflügler über den Ammersee, bis es 2017 in Rente ging. Ein normales Schiff würde jetzt verrotten oder verschrottet werden. Die Utting hatte mehr Glück, oder mehr Pech, je nach Sichtweise: Der Kulturverein Wannda e.V. kaufte den Kahn und beschloss, ihn nach München zu holen. Nicht übers Wasser, das ginge nicht, sondern über die Autobahn. In der Nacht vom 21. auf den 22. Februar 2017 sperrte die Polizei die Fahrbahn, damit Rumpf und Aufbauten in zwei Teilen durch die bayerische Nacht rollen konnten.



Am Ziel wartete keine Werft und kein Wasser, sondern eine stillgelegte Eisenbahnbrücke. Die 144 Tonnen mussten hochgehievt werden, was länger dauerte als geplant, Statik ist eben kein Wunschkonzert. Am 26. Juli 2018 öffnete die Alte Utting endlich, getauft von den Betreibern Daniel Hahn und Stadträtin Julia Schönfeld-Knor.



Heute ist die Utting Bar, Restaurant, Diskothek im ehemaligen Maschinenraum und Bühne in einem. Auf dem Oberdeck hängt ein Rettungsring mit der Aufschrift „Welcome on Board“, was auf einem Schiff, das seit Jahren keinen Tropfen Wasser mehr unter dem Kiel hatte, fast schon Galgenhumor ist. Unten an Bord grillt die Pizzeria Da Vito ihre Quattro Formaggi, während oben die Kapitänsbar Cocktails ausschenkt, alles fest verankert, alles trocken.
München hat also sein Schiff. Es fährt nirgendwohin, und genau das macht es zu einem der meistfotografierten Ausflugsziele der Stadt.
