Kristallmuseum Viechtach: Der Pfahl, ein 600-Kilo-Amethyst und eine Krippe aus Stein
D-Viechtach [SiSt24 Media] In Viechtach im Bayerischen Wald steht ein Museum, das mit einer Rettungsaktion begann: Als eine private Mineraliensammlung 1993 aus Platzmangel aufgelöst werden sollte, übernahm die Familie Klingl die Stücke und eröffnete ein Jahr später das neue Kristallmuseum in der Linprunstraße. Seit dem 25. Mai 1994 führt die Familie das Haus in Eigenregie, mit über 2.000 Mineralien, 200 Opalen und einem Amethyst, der allein 600 Kilogramm wiegt.



Der Pfahl: ein Quarzriese unter dem Wald
Namensgeber für einen Teil der Sammlung ist der Grosse Pfahl, eine kilometerlange Quarzader, die bei Viechtach aus dem Waldboden ragt und als Naturdenkmal gilt. Bevor die Bayerwaldstraßen eine Teerdecke bekamen, diente der sogenannte Pfahlkies jahrzehntelang als Schottermaterial. Die Firma Ara in Altrandsberg baute den Quarz zudem für Terrazzo-Platten ab, die weit über Bayern hinaus bekannt wurden. Heute ist der Pfahlquarz vor allem als Rohstoff für die Siliziumgewinnung gefragt, etwa für Solarzellen und Mikrochips.



Achatscheiben, Chrysopras und ein schwarzer Riese
Die Ausstellung selbst lebt von Kontrasten: neben rohen Steinbrocken liegen aufpolierte Achatscheiben, deren Ringe wie eingefrorene Wasserwellen wirken. An anderer Stelle liegt ein Stufe rohes Chrysopras-Gestein neben polierten grünen Trommelsteinen – ein Mineral, das seine Farbe einer Beimengung von Nickel verdankt. Im Eingangsbereich dominiert ein tiefschwarzer Kristallblock, dessen Flächen wie geschliffenes Glas glitzern; solche Gruppen von Morion-Quarz zählen zu den fotogensten Stücken des Hauses.


Bernstein-Kunstwerke und ein eigenwilliger Krippenberg
Neben roher Geologie zeigt das Haus auch kunsthandwerkliche Raritaten: In einer Vitrine liegt ein filigranes Segelschiff, komplett aus Bernstein gefertigt, mit Masten und Takelage aus dünnen Bernsteinstegen. Wer eher an Weihnachten denkt, findet in einer anderen Ecke einen kleinen Berg aus Mineralien, Korallenzweigen und getrockneten Pflanzen, in den eine Krippenszene mit Tonfiguren eingebettet ist – eine Kombination, die man in dieser Form selten sieht und die zeigt, wie sehr sich die Sammlung Klingls über reine Fachgeologie hinaus entwickelt hat.
Heilsteine und die Frage, was man davon halten soll
Das Museum bietet auch Themenführungen zu sogenannten Heilsteinen an, die sich unter anderem auf die mittelalterliche Äbtissin Hildegard von Bingen berufen, die Quarz, Amethyst und Smaragd in ihrem Werk „Physica“ heilende Wirkungen zuschrieb. Ob man das als historische Kuriosität liest oder als praktische Empfehlung, bleibt Ansichtssache; das Museum selbst präsentiert die Überlieferung eher als kulturgeschichtliches Kapitel neben der harten Mineralogie denn als medizinischen Ratschlag.


Praktische Infos: Das Kristallmuseum Viechtach (Linprunstraße 4, 94234 Viechtach) hat von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr sowie am Wochenende von 10 bis 16 Uhr geöffnet, sonntags im Februar und November bleibt es geschlossen. Der Eintritt kostet 4 Euro für Erwachsene, 3 Euro für Jugendliche ab 14 Jahren und 2,50 Euro für Kinder ab 6 Jahren; jüngere Kinder haben freien Eintritt.
