Kloster Münchsteinach: Romanische Farben im Steigerwald
Münchsteinach (D) [SiSt24 Media] Im Münster St. Nikolaus in Münchsteinach fällt der Blick zunächst nach vorn, zum reich geschmückten Altar. Dann bleiben die Augen an den Pfeilern hängen. Rauten, Linien und farbige Felder überziehen die kräftigen Stützen. Rot und Gelb gliedern die Rundbögen zwischen Mittelschiff und Seitenschiffen. Ein Teil dieser Bemalung stammt aus der Zeit um 1180. Die Farben geben dem Kirchenraum einen Charakter, der sich von der verbreiteten Vorstellung einer ausschließlich steinsichtigen Romanik deutlich unterscheidet.



Das ehemalige Benediktinerkloster gehört zu den kunsthistorisch bedeutenden Anlagen des Steigerwalds. Das Haus der Bayerischen Geschichte zählt seine Kirche aufgrund der Architektur, der freigelegten Farbfassung und der figürlichen Reliefs zu den bedeutendsten romanischen Kirchen Frankens. Im Inneren lässt sich diese Einordnung nachvollziehen: Neben der räumlichen Wirkung sind es gerade die Einzelheiten, die einen längeren Aufenthalt lohnen.
Eine Stiftung und ein umstrittenes Datum
Am Anfang der Klostergeschichte stehen Adalbero von Steinach und seine Schwester Adelheid. Sie stellten ihren Erbbesitz im Steinachtal und in der Gegend um Crailsheim für eine geistliche Gemeinschaft nach der Regel des heiligen Benedikt zur Verfügung. Das Kloster erhielt das Patrozinium des heiligen Nikolaus und wurde dem Schutz des Würzburger Bischofs unterstellt.



Als Gründungsjahr begegnet häufig 1133. Die historische Darstellung der Gemeinde weist jedoch auf die unsichere Überlieferung hin: Die Gründungsurkunde ist in einer späteren Abschrift erhalten; der Historiker Gerhard Pfeiffer setzte die Gründung um 1140 an. Eine Jahreszahl ohne diesen Vorbehalt vermittelt deshalb mehr Sicherheit, als die Quellenlage hergibt.
Der Ort selbst ist deutlich älter. Am 8. August 912 schenkte König Konrad I. dem Abt Dracolf von Schwarzach den Ort Steinaha, den die Ortsgeschichtsschreibung mit dem heutigen Münchsteinach identifiziert.
Die Farbe gehört zur Architektur
Die Klosterkirche war wohl um 1180 fertiggestellt. Bei der Renovierung im 20. Jahrhundert fanden sich im Boden Gerüsthölzer. Jahrringuntersuchungen ergaben Fälljahre von 1173 und 1177 – ein wichtiger Anhaltspunkt für die Bauzeit.



Die dreischiffige Basilika besitzt ein hohes Mittelschiff, niedrigere Seitenschiffe und ein Querhaus. Ihr Grundriss bildet ein Kreuz. Die Bauformen weisen auf die Hirsauer Bauschule hin. Auf den Fotografien aus dem Langhaus ist die klare Folge der Pfeiler und Rundbögen gut zu erkennen. Kleine, hoch liegende Fenster lassen Tageslicht in den Raum fallen.
Die geometrischen Muster auf den Pfeilern betonen die einzelnen Stützen. An der Mittelschiffwand zeichnet eine aufgemalte Fugengliederung das Mauerwerk nach. Die Farbfassung wurde bei der Restaurierung freigelegt und teilweise ergänzt. Der heutige Eindruck verbindet damit erhaltene mittelalterliche Malerei und restauratorische Arbeit.
Auch an den Kapitellen gibt es viel zu entdecken. Tierdarstellungen, Figuren und pflanzliche Formen unterscheiden die steinernen Werkstücke voneinander. Besonders hervorgehoben wird in der kunsthistorischen Beschreibung das Adlerkapitell im Untergeschoss des erhaltenen Turms.
Ein Lettner aus wiedergefundenen Werkstücken
Im südlichen Seitenschiff steht der rekonstruierte romanische Lettner. Eine solche Schranke trennte den Bereich der Mönche vom Laienraum. In Münchsteinach befand sie sich ursprünglich weiter östlich, am Übergang zum Konventualenteil.



Bei der Restaurierung kamen in einer später eingezogenen Trennmauer romanische Steinmetzarbeiten zum Vorschein. Zusammen mit weiteren Fundstücken ermöglichten sie die Rekonstruktion. Die Reliefs und ornamentalen Bänder zeigen, wie aufwendig dieses Ausstattungsstück gestaltet war. Der heutige Standort erlaubt es, die Arbeiten aus der Nähe zu betrachten. Die Rekonstruktion macht zugleich eine verlorene Raumgrenze der mittelalterlichen Kirche wieder verständlich.
Das Schlösschen des letzten Abtes
Außerhalb der Klausur ließ Christoph von Hirschaid einen eigenen Abtssitz errichten. Er war 1519 zum letzten Abt Münchsteinachs gewählt worden. Das dreigeschossige Schlösschen steht noch heute; seine hellen Fassaden und rot-weißen Fensterläden fallen beim Rundgang durch den Klosterbezirk auf.



Der Bau belastete die Finanzen des Klosters. Christoph nahm Kredite auf und verkaufte Rechte und Besitz. Im Bauernkrieg 1525 wurde die Anlage geplündert und angezündet. Teile der Kirche und der westliche Klosterflügel wurden zerstört, der Abt fünf Wochen lang gefangen gehalten.
Nach seiner Freilassung setzte er sich für den Wiederaufbau ein. Mit der Reformation endete jedoch die klösterliche Gemeinschaft. Christoph verließ Münchsteinach im Winter 1528/29, suchte Schutz in Würzburg und starb dort im Mai 1529. Anschließend übernahm ein markgräfliches Klosteramt die Verwaltung.
Gottesdienst und Getreidelager unter einem Dach
Die weitere Nutzung hinterließ deutliche Spuren. Während die evangelische Gemeinde den östlichen Kirchenbereich für ihre Gottesdienste verwendete, diente der westliche Teil als Getreidespeicher. Eine Trennmauer zerschnitt den ursprünglichen Raum.



1723 stürzte das gotische Rippengewölbe im Chor ein. Der Chor hatte bereits um 1220 den ursprünglichen romanischen Abschluss ersetzt. Nach dem Einsturz wurde der genutzte Bereich umgestaltet und am ersten Advent 1724 eingeweiht. Der Hochaltar von 1750 und die Kanzel von 1776 ergänzten die Ausstattung.
Ihre geschnitzten Figuren, vergoldeten Elemente und bewegten Formen setzen einen eigenen Akzent zwischen den mittelalterlichen Stützen. Auf den Detailaufnahmen werden die Evangelistensymbole an der Kanzel sichtbar: Mensch beziehungsweise Engel, Löwe, Stier und Adler.
Erst die umfassende Restaurierung von 1965 bis 1970 vereinte die getrennten Kirchenbereiche wieder. Sie legte die mittelalterliche Bemalung frei und erschloss das Langhaus erneut als Teil des gesamten Kirchenraums.
Vom Klosterhof durch den Ort
Vor der Kirche hilft ein Modell, die historische Anlage zu überblicken. Es zeigt die Klosterkirche mit ihren einstigen zwei Türmen und die Anordnung der umliegenden Gebäude. Von den Türmen steht heute nur noch der südliche. Wann der nördliche genau verloren ging, ist nicht abschließend geklärt.



Im Klosterhof beginnt außerdem der Ortsrundgang „Zeitreise“. Er wurde 2012 anlässlich der 1100-Jahr-Feier eröffnet und führt an 30 Informationstafeln entlang bis zur ehemaligen Klostermühle. Historische Fotografien erläutern frühere Nutzungen und Veränderungen der Gebäude. Die Gemeinde veranschlagt für den Weg etwa eineinhalb Stunden.
Wer sich vor dem Besuch orientieren möchte, findet auf der Internetseite der Gemeinde einen virtuellen Rundgang durch Münster und Klosterhof. Auskünfte erteilt die Gemeinde Münchsteinach, Kirchenweg 6, 91481 Münchsteinach, Telefon 09166 210.
