Eisenach: Wie aus BMW EMW wurde

D-Eisenach [SiSt24 Media] Ein BMW aus Eisenach und ein EMW aus Eisenach stehen für zwei Kapitel derselben Fabrik. Dazwischen liegen Krieg, Besatzung und eine Teilung, die bis auf das Emblem am Fahrzeug sichtbar wurde. Die Automobile Welt Eisenach erzählt diese Geschichte am Ort des ehemaligen Automobilwerks. Sie zeigt auch, was aus der Fertigung danach wurde: Wartburg, Werksschließung und ein neuer Anfang mit Opel.

Wer durch die Ausstellung geht, begegnet keinem geradlinigen Aufstieg einer Automarke. In Eisenach wechselten Eigentümer, Namen und politische Systeme. Die Menschen, die Fahrzeuge konstruierten und bauten, mussten sich immer wieder auf neue Bedingungen einstellen. Gerade deshalb lohnt es sich, nicht nur die Kühlergrills anzusehen. Werkzeuge, Entwürfe und die erhaltenen Räume erzählen mit.

Autos aus Eisenach, bevor es BMW-Autos gab

Die Fahrzeugfabrik Eisenach wurde 1896 gegründet. Zwei Jahre später stellte sie ihren ersten Wartburg-Motorwagen vor. Der Name „Wartburg“ gehörte also schon zur frühen Geschichte des Standorts, lange bevor er mit den DDR-Fahrzeugen verbunden wurde. Ab 1904 verkaufte das Werk Autos unter der Marke Dixi.

In den 1920er-Jahren setzte Eisenach auf einen kleinen Wagen nach britischem Vorbild: den Dixi 3/15, der auf dem Austin Seven beruhte. Die Umstellung auf größere Stückzahlen verlangte Geld. Im November 1928 kaufte BMW die Eisenacher Fabrik und wurde damit selbst zum Automobilhersteller. Der erste BMW-Pkw war keine Münchner Konstruktion, die zufällig in Thüringen gebaut wurde. Seine Geschichte begann beim Dixi in Eisenach.

Der Bruch nach dem Krieg

In den folgenden Jahren entstanden in Eisenach BMW-Modelle wie der 303, der 326 und der Sportwagen 328. Während des Zweiten Weltkriegs stellte das Werk auch Rüstungsgüter her. Bombenangriffe beschädigten große Teile der Fabrik; Ende März 1945 kam die Produktion zum Erliegen.

Doch die Geschichte der Eisenacher BMW-Fahrzeuge endete damit noch nicht. Unter sowjetischer Verwaltung lief die Fertigung im November 1945 wieder an. Zunächst entstanden erneut Pkw und Motorräder mit BMW-Zeichen. Später folgte der 340, eine Eisenacher Nachkriegsentwicklung auf Grundlage älterer BMW-Baugruppen.

Genau hier wird der Übergang zu EMW interessant: Das Werk, seine Erfahrung und Teile seiner technischen Grundlage waren noch da. Die politische und unternehmerische Welt um die Fabrik hatte sich jedoch vollständig verändert. Aus den in Eisenach gebauten BMW wurden schließlich Fahrzeuge der Marke EMW – Eisenacher Motorenwerk. Ein anderer Name stand auf Autos, deren Herkunft sich nicht von einem Tag auf den anderen geändert hatte.

Vom EMW zum Wartburg

1952 wurde das Werk aus der sowjetischen Aktiengesellschaft Awtowelo ausgegliedert und als volkseigener Betrieb weitergeführt. Schon bald änderte sich auch das Fahrzeugprogramm. Auf den IFA F 9 folgte Mitte der 1950er-Jahre der Wartburg 311. Der Name der Eisenacher Burg kehrte damit auf ein Auto zurück.

Der Wartburg prägte den Standort über Jahrzehnte. Auf den 311 folgten weitere Baureihen, darunter ab 1966 der 353. Wer sich in der Ausstellung allein auf die bekannten Modelle konzentriert, übersieht allerdings einen wichtigen Teil der Geschichte. Eine teilweise zerlegte Karosserie macht sichtbar, wie ein Fahrzeug aufgebaut ist. Die historische Werkstatt lenkt den Blick auf die Arbeit hinter der fertigen Form: Teile bearbeiten, prüfen, anpassen und Probleme lösen.

Das Museum bewahrt damit mehr als eine Modellfolge. Es zeigt auch das Können der Beschäftigten. Ein Wagen auf Hochglanz erzählt von seiner Gestaltung; Werkzeuge und Arbeitsumgebung erzählen davon, wie er entstand.

Das Werk endet, der Automobilbau bleibt

Im Oktober 1988 begann die Serienfertigung des Wartburg 1.3 mit Volkswagenmotor. Für das alte Automobilwerk brachte dieser Modellwechsel keine dauerhafte Zukunft. Am 10. April 1991 endete dort die Pkw-Produktion. Ein Jahr später nahm ein neues Opelwerk in Eisenach die Produktion auf.

Auch das Museum hat einen solchen Übergang erlebt. Sein Ursprung liegt in einem Werksmuseum von 1967. Heute befindet sich die Automobile Welt Eisenach in einem denkmalgeschützten Gebäude auf dem ehemaligen Werksgelände. Hier saß einst die Verwaltung des Automobilwerks. Dass die Fahrzeuge an diesem Ort gezeigt werden, gibt dem Rundgang eine zusätzliche Ebene: Draußen liegt ein Teil der früheren Fabrikgeschichte, drinnen stehen ihre Produkte und Zeugnisse.

Am Ende bleibt vor allem die Verbindung zwischen den Marken im Gedächtnis. Dixi, BMW, EMW und Wartburg bezeichnen unterschiedliche Epochen. Eisenach ist der Ort, an dem ihre Geschichten ineinandergreifen.

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